Autoimmunerkrankungen bekämpfen mit Paleo?

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Kurzer Überblick zum Immunsystem

Ohne funktionierendes Immunsystem ist der Mensch nicht lebensfähig. Die Aufgabe des Immunsystems ist es primär zwischen „eigen“ und „fremd“ zu unterscheiden. Körperfremde Eindringlinge wie Viren, Bakterien, Pilze oder Schadstoffe sollen identifiziert und bekämpft werden, bevor sie einen großen Schaden in unserem Körper anrichten.

Man unterteilt das Immunsystem in einen zellulären und dem humoralen Anteil.

Zelluläres ImmunsystemHumorales Immunsystem
Körpereigene Zellen (weiße Blutkörperchen)Name beruht auf dem Vorkommen der aktiven Komponenten in den Körperflüssigkeiten (latein. humores)
Organisation durch Lymphknotenangeborene, unspezifische und erworbene, spezifische Faktoren werden unterteilt.
Ansiedlung im Darm (Anteil von 70-80%)Unspezifische Faktoren: Komplement, Akute Phase Proteine Spezifische Faktoren: Antikörper
Unspezifische Zellen: Makrophagen, Monozyten, Granulozyten, dendritische Zellen, natürliche Killerzellen Spezifische Zellen: T- und B- Lymphozyten

Die kleine Gesundheits-Armee in unserem Körper

Täglich dringen Mikroorganismen in unseren Körper über unsere Haut, Schleimhäute oder andere „offene“ Stellen in unseren Körper ein. Ohne das Immunsystem würden diese potentiellen Krankheitserreger in unserem Körper schnell Schaden anrichten und unseren Körper schwächen und diesen unter Umständen sogar zerstören. Daher verfügen wir über ein fein abgestimmtes System, um diese Eindringlinge zu kontrollieren und zu bekämpfen. In einer ersten Reaktion oder der sogenannten „First line of defense“ steht das Immunssystem vor der Aufgabe zu entscheiden, ob es sich um eine körpereigene oder körperfremde Substanz handelt. Die weißen Blutkörperchen erkennen das an Eiweißmolekülen (Antigenen) die sich an der Oberfläche von eindringenden Substanzen befinden.

Die Armee besteht aus vielen verschiedenen Soldaten. Die einfachste und schnellste Methode ist das Auffressen, was durch Makrophagen erledigt werden kann. Diese Fresszellen sind mobil und wandern so durch unseren Körper auf der Suche nach potentiellen Schädlingen.

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Information

Unter Immunität versteht man im biologischen Sinne das Potential des Körpers Angriffen von außen, z.B. durch Mikroorganismen oder Gifte zu widerstehen. Sie beschreibt Unempfindlichkeit gegen Krankheitserreger.

Andere Zellen erkennen bestimmte Eindringlinge und markieren sie, wieder andere Immunzellen wie z.B. die Lymphozyten produzieren Antikörper oder können sich in Killerzellen umwandeln. Einige Zellen sind zudem sehr spezialisiert, also das Sondereinsatzkommando unseres Immunsystems.

Interessant ist noch, dass die verschiedenen Zellen des Immunsystems ihre eigene Sprache haben. Über bestimmte Botenstoffe (Zytokine) können sie so kommunizieren und relevante Informationen weitergegeben.

Autoimmunerkrankungen

Ganz einfach gesagt, handelt es sich bei einer Autoimmunkrankheit um eine Entgleisung des Immunsystems. Das Immunsystem unterscheidet nicht mehr adäquat zwischen fremden und körpereigenen Zellen.

Die Deutsche Gesellschaft für Autoimmunerkrankungen (AIE) (Quelle) definiert eine AIE wie folgt:

Autoimmunerkrankungen sind durch eine falsche Programmierung des menschlichen Abwehrsystems (Immunsystems) gekennzeichnet. Die eigenen Zellen und Organe werden bekämpft und führen so zu den unterschiedlichsten Krankheitserscheinungen. Wie es zu dieser Fehlprogrammierung kommt, ist bis heute noch nicht genau und im Detail geklärt.

Allen Erkrankungen gemeinsam ist, dass sie bei der Geburt meistens noch nicht anwesend sind und sozusagen im Laufe des Lebens erworben werden. Manchen Erkrankungen sagt man eine genetische Ursache nach, bei anderen Erkrankungen werden Infektionen als Auslöser angenommen, wieder bei anderen Erkrankungen werden Umweltfaktoren als Ursache diskutiert.
Faktisch ist es so, dass man die Ursachen für eine Autoimmunerkrankung bis heute oft noch nicht genau kennt. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Menschen , die ihre Symptome durch einen gesünderen Lebensstil und eine bessere Ernährung positiv beeinflussen. Gerade die Paleo Diät hat hier eine hohe Erfolgsquote, was durch viele Erfahrungsberichte belegt ist.

Das Autoimmun Paleo Protokoll

Das Autoimmun Paleo Protokoll beschreibt ein besonderes Vorgehen durch die Paleo Ernährung, um bei bestehender Symptomatik (Diagnose: Autoimmunerkrankung). Die Grundidee ist es das „aufgeregte“ Immunsystem zu beruhigen. Die Anwendung des Autoimmun Paleo Protokoll ist tatsächlich als komplementär-medizinische Maßnahme zu betrachten, die das Immunsystem und dessen Beruhigung ins Visier nimmt.

Wie bereits oben erwähnt, finden wir das Immunsystem als „First line of defense“ im Darm. Viele „neuzeitliche“ Bestandteile unserer Ernährung reizen unseren Darm. In diesem Zusammenhang spricht man auch gern von Antinährstoffen.

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Die schädlichsten Anti- Nährstoffe

Sopanine
Man findet sie in:

  • Kartoffeln
  • Tomaten
  • Hülsenfrüchten wie Bohnen, Erbsen, Kichererbsen, Linsen, Erdnüssen und Sojabohnen
  • Pseudogetreide wie Amaranth, Quinoa, Buchweizen etc.

Lektine
Man findet sie in:

  • Weizen (vor allem Vollkorn)
  • Vollkornreis
  • Mais
  • Kidney- Bohnen
  • Tomaten (wenig)
  • Sojabohnen
  • Erdnüssen

Phytinsäure
Man findet sie in:

  • Hirse
  • Weizen
  • Roggen
  • brauner Reis
  • Hafer
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse

Unser Darm wird durch diese Antinährstoffe angegriffen. Die Schleimhaut, die sich auch im Darm wiederfindet, wird geschädigt. Zudem wird die Aufnahmefläche des Darms gröber und „löchrig“. Man spricht in diesem Kontext auch von Leaky-Gut-Syndrom. Einem Phänomen, dass in letzter Zeit immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. So können Mikroorganismen oder andere Bestandteile die in den Darm gelangen in unseren Körper eintreten. Man darf nicht vergessen, dass der Darm die Begrenzung unseres Innenlebens zur Außenwelt darstellt, auch wenn er im Körper verortet ist. 😉

Eindringlinge müssen also unschädlich gemacht werden. Die Immunarmee wird aktiv. Da wir in der Regel jeden Tag (falsch) essen, ist unser Immunsystem permanent aktiv. Zwar nicht in der Intensität wie zum Beispiel bei einer Grippe-Virus-Infektion, aber dafür permanent. Der Mediziner spricht dann von einer niedrig-gradigen Entzündung. Einem Phänomen, dass man immer mehr mit chronischen Erkrankungen und speziell Autoimmunerkrankungen in Verbindung bringt. Irgendwann ist unser Immunsystem vereinfacht gesagt nicht mehr in der Lage zwischen gut und böse zu unterscheiden, da es überfordert wird. Die Immunarmee greift nun körpereigene Eiweiße an. Je nachdem welches Körpereiweiß nun auch auf der roten Liste steht entstehen Symptome. Ein entzündeter Darm (Darmgewebe) Schmerzen in den Gelenken (Gelenkkapsel), Probleme der Nerven (Markscheiden der Nervenfasern) oder Entzündung der Haut sind Beispiele die auftreten.

Weitere Aspekte in diesem Zusammenhang sind eine veränderte bakterielle Darmflora, eine Unterversorgung mit Mikronährstoffen, Drogenkonsum, Zustand der Psyche, Bewegungsverhalten, Alter usw.

Die Anwendung des Autoimmun Paleo Protokoll – ein Überblick

Das Autoimmun Paleo Protokoll nimmt Einfluss auf das Immunsystem indem es jede Form von Antinährstoffen weglässt.

Zudem kommen aber noch ein paar Besonderheiten, die ich im folgenden Überblick kurz aufzeige:

  • Umsetzen der Paleo Ernährung zu 100% und keine(n) Alkohol, Süßstoffe, Zusatzstoffe, nicht-steroidale Entzündungshemmer (z.B. Ibuprofen, Aspirin).
  • Sehr viel Gemüse essen (Verzehr von 9 Tassen Gemüse pro Tag, in allen Formen und Farben), außer Nachtschattengewächse (Tomaten, Paprika, Zucchini, Chili, Auberginen, Paprika u.a.)
  • Vorteilhaft ist vor allem grünes Gemüse
  • Möglichst gekochtes Gemüse verzehren (gedämpft oder gedünstet), um den Darm zu entlasten.
  • Innereien, Fisch und Meeresfrüchte sind super Nährstofflieferanten und sollten vermehrt verzehrt werden
  • Fermentiertes Gemüse und Knochenbrühe ist ebenfalls zu empfehlen, da diese Lebensmittel den Darm positiv unterstützen
  • Obst sollte nur in kleineren Mengen gegessen werden, da der Fruktose (Fruchtzucker) manchen Menschen Probleme macht. Eine Faustregel ist: Nicht mehr als 20g Fructose pro Tag. Eine schöne Übersicht zum Fruktosegehalt von Obst findest du hier.
  • Ausreichender Konsum von Protein. Hochwertiges Fleisch oder Fisch/Meerestieren ist essentiell. Sarah Ballantyne, Ärztin und die Autoimmun Paleo Protokoll Koryphäe aus Amerika empfiehlt ca. 1g Protein je kg Körpergewicht pro Tag.
  • Viel Seefisch und Meeresfrüchte um neben ausreichend Proteinen auch das Verhältnis von Omega 3 zu Omega 6 zu verbessern. Fisch enthält viel Omega-3-Fettsäuren. Diese wirken anti-entzündlich.
  • Weitere Aspekte des Lebensstil beachten. Eine ganzheitliche Betrachtung auf das Thema ist heutzutage der Goldstandard in der Komplementär-Medizin. Prinzip Paleo orientiert sich ebenso an diesen Maßstäben, wie du auch im eBook „Prinzip Paleo – Entdecke dein natürliches Potential“ nachlesen kannst, das du kostenlos bekommst, wenn du dich hier registrierst.

Vitale Grüße
Unterschrift Christian
Christian Kollitsch
Physiotherapeut, Ernährungscoach, Jäger & Sammler

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6 Kommentare

  1. Ilona

    Lieber Christian,

    hab vielen, vielen Dank für Deine tiefgründig-informativen, inspirativen, sehr hilfreichen Artikel. Trotz meiner Lese-Faulheit lese ich gern auf der Prinzip-Paleo-Seite – es motiviert und – ohne Scheiß – es tröstet.
    Merci beaucoup!

    Viele Grüße,
    Ilona

    Antworten
    • Christian Kollitsch

      Hallo Ilona,

      Danke für deinen Kommentar! Es freut mich zu hören, dass dich meine Beiträge ansprechen und inspirieren!

      Vitale Grüße
      Christian

  2. Claudia

    Super, ein weiterer deutschsprachiger Blog zum Thema Paleo und insbesondere freu ich mich schon auf mehr zu AIP. Eine kleine Anmerkung: Zucchini sind keine Nachtschattengewächse, sondern gehören zu der Kürbisfamilie und sind demnach AIP tauglich.

    Antworten
    • Christian Kollitsch

      Hallo Claudia, danke für dein Feedback. Dem Thema Autoimmunerkrankungen und Möglichkeiten durch Paleo wird hier demnächst noch mehr Raum gegeben. Danke für deinen Hinweis :). Natürlich, Zucchinis gehören zu den Kürbisgewächsen und sind somit AIP konform. Viele Grüße

  3. Katrin

    Warum sind o.g. Lebensmittel „Antinährstoffe“? Auf meinem Speisezettel stehen bisher viele dieser Lebensmittel wie Kartoffeln, Kichererbsen und Co.. Ich würde gern verstehen, wie diese meinen Darm und mein Körpersystem möglicherweise schädigen. Können Sie mir eine Quelle nennen, wo das belegt wird? Vielen Dank und freundliche Grüße Katrin

    Antworten
    • Christian Kollitsch

      Hallo Katrin,

      Nachtschattengewächse sind auch Teil der Paleo Ernährung. Allerdings bringen sie neben „guten“ Nährstoffen auch sogenannte Antinährstoffe (vor allem Saponine und Lektine) mit sich. Dies sind antinutritive Substanzen, welche die Aufnahme von Nährstoffen im Körper negativ beeinflussen können. Man nennt sie deshalb auch Anti-Vitamine.

      Diese Stoffe dienen Pflanzen schlicht und ergreifend als Abwehr vor Fressfeinden. Auch eine Pflanze will leben und sich fortpflanzen. Dafür hat sie eine Waffe: die Anti- Nährstoffe.

      Zwar hat der Mensch innerhalb der Evolution physiologische Schutzmechanismen gegenüber bestimmten Antinährstoffen entwickelt, jedoch ist er gegen die Vielzahl an „neueren“ ,auch durch Genmanipulation entstandenen, Antinährstoffe nicht immer ausreichend geschützt. Man nimmt an, dass sich Antinährstoffe negativ auf unsere Darmwand auswirken.

      Wenn die Integrität Ihrer Darmwand beeinträchtigt ist, gelangen Stoffe in die Blutbahn, die dort eigentlich nichts zu suchen haben. Die Folge ist eine Reaktion des Immunsystems. Auf Dauer kann das Immunsystem durcheinander geraten und damit beginnen, den eigenen Körper anzugreifen, als ob er ein Feind wäre (Autoimmunitäts-Reaktionen).

      Daher wird innerhalb des AIP empfohlen die Aufnahme von Antinährstoffen zu minimieren und anfangs komplett zu streichen. Viele Betroffene berichten über positive Effekte.

      Viele Grüße

      Christian

      Weitere Quellen:
      http://www.deflame.com/wp-content/uploads/2011/11/Lectins-2000.pdf
      http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10884708
      http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1115436/
      http://www.pjbs.org/pjnonline/fin1120.pdf

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