Der Superfood Hype: Sinn oder Unsinn?

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Superfood Definition

Chiasamen, Gojibeeren, Matchatee oder Moringapulver sind Teil der großen Superfood Familie, die es heute in jeder Drogerie gibt. Aktuell existiert noch keine offizielle Definition oder gesetzliche Regelung wer oder was sich “Superfood” nennen darf.

Gemeinsam haben diese Nahrungsmittel, dass sie meist getrocknet oder verarbeitet angeboten werden, sowie einen exotischen Ursprung haben. Aber auch Tropenfrüchte und Gemüse wie z.B. Avocados oder Mangos werden als Superfood gehandelt. Sie enthalten in der Regel größere Dosen an Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen.

Das die Inhaltsstoffe oftmals überzeugen ist keine Frage. In der jüngsten Vergangenheit gibt es immer mehr wissenschaftliche Nachweise dafür, dass natürliche Nahrungsmittel und ihre Inhaltsstoffe einen hohen Nutzen für unsere Gesundheit haben.

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Was sind sekundäre Pflanzenstoffe?

Wissenschaftler haben heute eine Vielzahl von diesen gesundheitsfördernden Stoffen in Obst und Gemüse nachgewiesen. Zwischen 5.000 und 10.000 dieser sekundären Pflanzenstoffe kommen in der menschlichen Nahrung vor. Die Wirkungen dieser Vitalstoffe, auch bekannt als Phytochemikalien oder „Phytamine“, gehen wieder auf den Zellschutz zurück. Sie ist: antikanzerogen (krebsschützend), antimikrobiell, antioxidativ, antiinflammatorisch (entzündungshemmend), immunmodulierend, cholesterinsenkend, blutzuckersenkend.

Hat Superfood mehr Nährstoffe?

Der Mehrwert eines Superfoods ist aus mehreren Gründen nicht immer eindeutig belegt bzw. existieren nicht automatisch Vorteile gegenüber anderen, “unspektakulären” Nahrungsmitteln.

Warum ist das so?

Die Erzeugnisse werden, damit sie “frisch” bei uns ankommen oft zu früh geerntet, wodurch der Nährstoffgehalt perse sinkt. Daneben kostet die Lagerung erneut Nährstoffe. So wird fraglich, wie viele der beworbenen Inhaltsstoffe wirklich noch beim Verbraucher ankommen.

Die nächste Kritik an einem hohen Konsum von exotischen Nahrungsmitteln ist natürlich immer die schlechte CO2- Emission durch den langen Transport per Flugzeug oder Schiff. Nach Deutschland werden jedes Jahr ca. 25.000 Tonnen Obst und Gemüse importiert. Der Seeweg ist dabei für das Klima günstiger. Besonders tropische Früchte, die schnell verderben wie Avocado, Papaya oder diverses Gemüse aus den Tropen werden allerdings eingeflogen.

Für den Nährstoffgehalt ist natürlich ein schneller Transport per Flugzeug besser geeignet. Denn Nahrungsmittel, die anfänglich meist noch reich an wertvollen Inhaltsstoffen waren, verlieren durch den Transportweg aus den exotischen Ländern bis in unsere Märkte wie schon erwähnt viele ihrer Nährstoffe.

Die Frage ist also, ob wir immer auf diese weit angereisten Alternativen setzen müssen oder es nicht auch im heimischen Beet entsprechende Alternativen gibt?

Meine aktuelle Recherche ergab für 6 der beliebtesten Superfoods in Deutschland folgendes Bild:

SuperfoodInhaltsstoffe Wirkung auf den Körper
ProblemHeimische Alternative*
Chiasamen aus Mittel- und Südamerika, Australien
- Pflanzliches Eiweiß
- viele Ballaststoffe
- Omega-3-Fettsäuren (ALA)
- Mineralien
- Vitamine A,C,E
- Niacin
- hoher Sättigungsgrad
- lindert Entzündungen
- lange Transportwege
- teilweise mit Schadstoffen belastet
(Pestizide, Mineralöl)
Leinsamen

Acerola aus Nord- und Südamerika
- viel Vitamin C
- Kalium, Kalzium, Magnesium,
Phosphor
- Folsäure und B-Vitamine.
- Flavonoide, Pektine, Carotinoide, Anthocyane
- schützt die Zellen
- unterstützt das Immunsystem
- zellverjüngend
- lange Transportwege mit notwendiger
Kühlung
- energieaufwendige Verarbeitung
Sanddorn, Hagebutte
Goji Beeren aus Lateinamerika, China
- Vitamin C
Kalzium, Eisen, Selen
- Antioxidantien
- Carotinoide
- Phenole
- stärkt das Herz
- unterstützt das Immunsystem
- senkt Blutfettwerte
- hemmt Alterungsprozesse
- lange Transportwege
- teilweise Pestizidbelastung
Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren
Ananas aus Mittel- und Südamerika, Afrika
- viel Vitamin C
- Mineralien
- Bromelain
- Salicylate
- Serotonin/ Melatonin
- abschwellend
- blutverdünnend
- entzündungs-
hemmend
- antidepressiv, antioxidativ
- hoher Einsatz von Pestiziden und Dünger
- Abholzung des Regenwaldes
Äpfel, Birnen
Matcha Tee aus Japan/China
- Tein
- Antioxidantien
- EGCG (Epigallocatechingallat)
- belebend
- entspannend
- positive Wirkung bei Alzheimer, Parkinson und Krebs
- antioxidativ
- lange TransportwegeSaisonale Kräuter
Papaya aus tropischen Ländern
- Vitamin A,C,E
B Vitamine, Folsäure
Kalium, Kalzium, Magnesium, Mangan, Eisen, Kupfer, Zink
- Papain
- Chymopapain A und B
- verdauungsfördernd
- verbesserte Wundheilung
- positive Wirkung bei Magen-Darm Beschwerden, Hautkrankheiten, Krebs und fiebrigen Zuständen
- teilweise genmanipuliert
- lange Transportwege
Weintrauben,Kürbisse

* die vorgeschlagene Alternative hat ähnliche, aber nicht identische Wirkungen auf unseren Organismus

Ist der Hype um Superfood nun berechtigt oder nicht?

Man kann also an dieser Stelle wieder hin und her argumentieren und diskutieren… Auf der einen Seite liefern uns die geheimnisvollen Nahrungsmittel, wie dargestellt, eine Reihe von Nährstoffen, die wahrscheinlich sehr gut für unsere Gesundheit sind. Auf der anderen Seite hat der massenhafte Import dieser Erzeugnisse auch seinen Preis für die Umwelt.

Der Hype um die Superfoods ist groß, wenn auch nicht ganz neu, da Südfrüchte wie Ananas und Papaya schon seit Jahrzehnten importiert werden. Andere Superfoods wie Goji-Beeren, Matcha oder Chia-Samen finden sich allerdings erst seit kurzem auf unserem Speiseplan wieder.
Am Ende des Tages musst du selber entscheiden, ob und wieviel Superfood aus Übersee du konsumierst.
Fakt ist, in der Paleo Diät kommen, wie du bereits weißt, viele frische, saisonale Produkte auf den Teller. So kann man die Paleo Diät grundsätzlich schon als eine Art „Superfood Diät“ bezeichnen.

In der heimischen Auslage findest du eine ganze Menge Möglichkeiten dich super zu ernähren und mit den nötigen Vitalstoffen zu füttern. Anstelle von “Super-Beeren” können genauso Brom-, Holunder- Heidel- und Johannisbeeren genutzt werden. Weitere Früchte wie Kirschen, rote Weintrauben und Rotkohl haben auch einen hohen Gehalten an Antioxidantien. Leinsamen anstatt Chiasamen ist ebenfalls problemlos möglich, sollte aber wegen den enthaltenen Antinährstoffen auch nur ab und zu gegessen werden.
Besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe sind auch in Zwiebelgewächsen (Zwiebel, Porree, Schnittlauch, Knoblauch), allen Kohlarten, Rettich, Kräutern, Kernen und Nüssen.

Meine Recherchen haben ergeben, dass lokales Superfood wie Wildkräuter, Hagebutten oder Sanddornbeeren immer mehr nachgefragt werden. Menschen gehen entweder selber pflücken, bauen im Garten an oder erkundigen sich bei ausgewählten Händlern. Eine gute Entwicklung wie ich finde!

Wichtig ist auch immer der Kontext. Im Bereich der Ernährungsmedizin spielen zum Beispiel bestimmte Erzeugnisse aus z.B. Kurkuma- oder Ginseng eine wichtige Rolle. An dieser Stelle und über einen definierten Zeitraum befürworte ich eine Supplementierung mit diesen Extrakten ganz klar. Ebenso können Omega-3 Fettsäuren oder andere Antioxidantien die Heilungschancen durchaus deutlich steigern.

Der anhaltende Erfolg von Superfood spricht eindeutig für ein erhöhtes Bewusstsein für Ernährung und Gesundheit. Wichtig scheint hier der maßvolle Umgang und die kritische Auseinandersetzung mit einem Produkt oder Nahrungsmittel, anstatt einfach irgendeinem Trend zu folgen.
Paleo bedeutet eben immer auch die Dinge zu hinterfragen, bevor man eine Entscheidung trifft. Es nützt überhaupt nichts immer wieder ein neues Superfood zu testen und ein “Wunder” zu erwarten. Davon profitieren einzig und allein die Hersteller und Konzerne, aber nicht du.

Vitale Grüße
Unterschrift Christian
Christian Kollitsch
Physiotherapeut, Ernährungscoach, Jäger & Sammler

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