Die Wahrheit über Nachbauten in der Paleo Diät

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Woher kommt die Diskussion? – Erklärungsversuche

Das Dilemma mit den geliebten Sättigungsbeilagen

Die ursprüngliche Paleo Diät ist sehr umfangreich. Dennoch ist der Verzicht auf DAS, was man jahrzehntelang zu sich genommen und vielleicht auch lieb gewonnen hat anfangs nicht leicht: Kartoffel-Pommes, italienische Pizza und Pasta, Torten und Kuchen vom Bäcker, Milcheis von der Eisdiele usw. haben ihre Spuren im Gedächtnis hinterlassen.

Jeder der mit der Paleo Diät begonnen hat, weiß jetzt wovon ich spreche. Die Umstellung auf Paleo macht viele Dinge einfacher, aber auch manches scheinbar schwerer. Manche Menschen sind plötzlich total erleichtert, weil sie ihre Ernährung praktisch vereinfachen (dazu kann ich mich zählen) und wieder andere trauern den Nudelaufläufen und Kuchenkreationen doch noch eine Weile hinterher (kenne ich ebenfalls).

Ein beliebter Nachbau: Paleo Brot

Trost finden viele Menschen in den sogenannten “Paleo-Nachbauten”. Dahinter verbergen sich Gerichte, Produkte und Kreationen die uns rein optisch durchaus bekannt vorkommen, deren Inhaltsstoffe allerdings neu und auf dem Papier “paleo-konform” sind. Allen voran ist hier das Paleo-Brot zu nennen. Kaum ein Paleoaner, der/die sich nicht schon einmal an einem Rezept in dieser Richtung versucht hat. Das liegt wohl einerseits an den praktischen Aspekten eines solchen Brotes, denn eine Scheibe “Brot” kann ohne Probleme transportiert und gelagert werden. Zum anderen sind wir alle an bestimmte Erscheinungsbilder gewöhnt. Eine Banane ist krumm und eben nicht gerade. So “muss” eine Banane sein. Und ein Leib Brot assoziieren wir zum Beispiel mit dem Abendbrot oder der “Stulle” am Arbeitsplatz. Vereinfacht gesagt, unser Herz springt höher, wenn wir die Möglichkeit sehen unsere bisherigen Verhaltensweisen nicht zu verändern, sondern eben nur anzupassen. Eine Scheibe Paleo-Brot mit Aufschnitt passt uns an dieser Stelle einfach gut in den Kram. Doch ist das dann noch Paleo?

Paleo – Die etwas andere Diät

Die Paleo Diät ist grandios, einfach, schmackhaft, aber auch anders. Sie ist keine neue Diätmethode, sondern gilt bei ihren Anhängern als DIE Diät überhaupt. Warum? Weil wir Menschen nunmal Menschen sind und Menschen essen Nahrung die für Menschen gedacht ist. Niemand würde auf die Idee kommen ein Kaninchen mit Fleisch zu füttern, genauso wenig wie man einem Tiger eine Möhre anbieten würde. Wir Menschen hingegen füttern uns leider viel zu oft mit nicht “artgerechter” Nahrung.

Und warum?

Weil wir es können! Wir sind sogenannte “Allesfresser”. Entwicklungsgeschichtlich zählen wir zu den Omnivoren (Allesfressern). Unsere Zähne und Abmessungen des Verdauungstrakts weist uns auf einen Platz zwischen den reinen Fleisch- und Pflanzenfressern. Wir besitzen daher auch einen relativ robusten Verdauungstrakt, der alle möglichen Bestandteile aufnehmen und verwerten kann.

Soweit schön und gut, nur haben wir uns in den letzten Jahrhunderten selber einen Streich gespielt, indem unsere Gesellschaft Nahrungsmittel nicht mehr als reine Ressourcen verwertet. Heute sind Lebensmittel Konsumgüter und Massenprodukte, mit denen Profit eingefahren werden soll. Herausgekommen sind Lebensmittelprodukte, die mehr Inhaltsstoffe haben als wir mit beiden Händen zählen können. Fast-Food gilt als praktisch. Zucker ist fast in jedem Produkt enthalten, um den Geschmack zu verbessern und das sogenannte Convenience Food ist bei Jung und Alt beliebter denn je, weil niemand mehr Zeit zum Kochen hat.

Das Problem mit der Phytinsäure

Nachbauten beinhalten oftmals übermäßig viele Antinährstoffe. Was bedeutet das? Jede Pflanze besitzt Antinährstoffe. Diese Stoffe erfüllen in der Natur eine eigentlich sinnvolle
Aufgabe. Sie dienen schlicht und ergreifend der Abwehr von Fressfeinden. Auch eine Pflanze will leben und sich fortpflanzen. Dafür hat sie eine Waffe: die Anti-Nährstoffe.

Nüsse… und die Sache mit der Phytinsäure

In Nüssen, Samen, hülsenfrüchten und Getreide findet man Phytinsäure. Nüsse beinhalten am meisten Phytinsäure. Sie ist ein Stoff, der es der Pflanze ermöglicht Phosphorverbindungen und andere Mineralien zu binden, um Vorräte zu speichern und sich vor Fress-Feinden zu schützen.

Phytinsäure wird deshalb als Anti-Nährstoff bezeichnet, weil er im Organismus des Konsumenten den Nährwert für Mineralien von Lebensmitteln negativ beeinträchtigt. Es wird daher empfohlen, den Anteil von Phytinsäure in der Ernährung möglichst gering zu halten.

Phytinsäure ist in natürlichen Mengen und in Kombination mit einer ausreichenden Mineralienzufuhr kein großes Problem. Allerdings konnte gezeigt werden, dass die Aufnahme von Mineralien mit Konsum von wie Magnesium, Kalzium oder Eisen sich dabei absinkt.

Daher wird empfohlen den Nusskonsum pro Tag nicht über eine Handvoll hinaus zu steigern. Und an dieser Stelle schließt sich nun der Kreis zu den Nachbauten. Diese beinhalten in der Regel hohe Mengen an Nuss- oder Samenmehl. Die aufgenommene Menge an Phytinsäure kann nun schnell nach oben schießen, je nachdem wie lecker der Paleokuchen denn nun ist.

Bei hohem Konsum von Paleo-Brot und Co. kann sich die positive Wirkung durch die Paleo Ernährung so mitunter schnell neutralisieren, soweit die Meinung der “Nachbauten” Gegner. Ich persönlich sehe, das ganze Problem nicht zu dramatisch, da die Paleo Diät als solches schon sehr viele Nährstoffe (https://www.prinzippaleo.de/mikronaehrstoffe-paleo-diaet/) bereitstellt. Dennoch bleibt eine Gefahr in bestimmten Situationen bestehen.

Wer täglich Paleo-Müsli, Paleo-Brot und Nüsse als Snack zu sich nimmt, erreicht die Grenzwerte doch relativ schnell ohne es zunächst zu merken. Ein Mineralienmangel macht sich dann später mit Müdigkeit, intensiven Muskelkater, Muskelkrämpfen und Kraftlosigkeit bemerkbar.

Das beste aus zwei Welten

Die Paleo Ernährung setzt sich ursprünglich aus Nahrungsmitteln zusammen, die so oder in ähnlicher Form schon immer bekömmlich waren. Dabei ist der Aspekt die Nahrung zwar zu verarbeiten, aber auf eine stark-industrielle Behandlung zu verzichten bei vielen Paleoanern ein großes Kriterium. Die Nahrung soll natürlich sein und auch nicht in Form gebracht werden.

Diesen Ansatz befürworte ich und erkenne darin die ursprünglichste Form der Paleo Ernährung. Was ich jedoch ebenfalls mache, ist ab und zu meine Gelüste nach Süßem zu befriedigen. Bei mir kommen Paleo Brot & Co immer mal wieder vor. An dieser Stelle sehe ich kein Problem, solange man es nicht übertreibt.

Anfängern rate ich aber immer eine längere Zeit Paleo ohne Ausnahmen zu machen, um den Effekt auf den Körper und Geist optimal zu erfahren. Frisch zu kochen, neue Alternativen zu bisherigen Gerichten und Routinen zu finden ist ein wesentlicher Lerneffekt innerhalb der Paleo Diät.

Inwieweit man dann die Paleo Diät wieder etwas aufweicht, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Ich bin seit 2012 Paleoaner und habe sehr viele Anpassungen vorgenommen. Mein Geheimnis ist vielleicht, dass sich meine eigene Paleo Diät ständig wandelt. Dennoch habe ich eine Grundlage zu der ich immer wieder zurückkehre. Diese Grundlage benötigt man meiner Meinung nach ohne Zweifel. Saisonale Aspekte spielen dabei aktuell zum Beispiel eine immer stärkere Rolle für mich.

Gleichzeitig muss ich einfach sagen, dass jede Paleo Diät IMMER individuell bleibt, genauso wie wir Menschen eben bestimmte Individuen sind. Jeder macht es ein kleinwenig anders.

Wenn Menschen sich an einem selbstgebackenen Brot erfreuen und damit positive Erfahrungen machen, ist das eine super Sache. Diese Menschen denken einfach schlichtweg nicht über jeden Aspekt nach und lassen sich mehr von ihrem Gefühl leiten.

Ich finde diesen Ansatz keineswegs schlecht und appelliere an dieser Stelle an dich deine eigenen Erfahrungen zu machen, sobald du die Grundlagen verinnerlicht hast. Mehr dazu hier: Paleo Grundlagen

Abschlusswort: Paleo Nachbauten – gut oder schlecht

Paleo im 21. Jahrhundert sollte kein Dogma sein, sondern vor allem Spaß machen und Menschen begeistern. Ob nun mit oder ohne Nachbauten kann jeder selber entscheiden. Die Arroganz einiger Paleoaner, die nach eigenen Aussagen 100% Paleo leben, Nachbauten ablehnen und dann anderen Menschen erklären, dass nur ihr Paleo richtig ist, finde ich übrigens viel schlimmer, als hier und da mal nachzubauen.

Am Ende des Tages muss jeder die Verantwortung für sein Verhalten und seine Gesundheit selber übernehmen. Solange eine Person sich wohl mit ihrer Art der Auslegung von Paleo fühlt, bin ich damit total einverstanden. Gerade wir Paleos sollten uns nicht zu sehr gegeneinander richten, sondern gemeinsam für eine natürliche, nachhaltige und gesunde Ernährung kämpfen. Dabei sollten wir Spielraum, Toleranz und Variationen ebenso würdigen wie die vielen weiteren Aspekte unseres tollen Lifestyles.

Was denkst du über das Thema? Was sind deine Argumente für und gegen Nachbauten? Jetzt einen Kommentar da lassen!

Vitale Grüße
Unterschrift Christian
Christian Kollitsch
Physiotherapeut, Ernährungscoach, Jäger & Sammler

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