Ein dicker Bauch – schön, unansehnlich, krankmachend?

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Der dicke Bauch und die Gesellschaft

Schönheitsideale verhalten sich in etwa so wie Modetrends, sie wandeln sich von Zeit zu Zeit. Schmale Taille, sportliche Erscheinung, pralle Rundungen und etwas mehr Leibesfülle wechseln sich alle paar Dekaden ab. Bei den Römern hatten beleibte Menschen keineswegs ein negatives Image und auch in der Rennaissance hat die ideale Frauenfigur Rundungen an Busen, Bauch und Po, und ein Doppelkinn wird als Zeichen der Wohlgenährtheit geschätzt. Auch in der Barockzeit werden „füllige Weiber“ vergöttert. Später, als wir in Hülle und Fülle leben ändert sich dieses Schönheitsideal immer mal wieder.
Heute ist es bei den Frauen vor allem das “Schlanksein“, was begehrt wird. Männer machen sich da oft weniger Gedanken, wobei der Fitnesstrend der letzten Jahre eher dafür spricht, dass man sich an einer sportlichen Figur orientiert.

Attraktivitätsforscher erklären sich den Wandel dadurch, dass es immer wieder Zeiten gab, wo die Leibesfülle etwas über den Status einer Person verraten hat. Die Personen, die wohlhabend waren hatten reich gedeckte Tische, während die Armen wenig Zugriff auf Lebensmittel hatten und sich zudem körperlich stark ertüchtigten.
Heute ist die Situation wieder anders, Hunger ist zumindest in unserem Teil der Erde eigentlich kein Thema mehr. Im Gegenteil, die Reichen tun oftmals sogar alles um schlank und damit schön zu sein. Ein „fetter Bauch“ gilt nicht mehr als Zeichen von Wohlstand, sondern wird eher mit Unattraktivität oder sogar Gesundheitsrisiko assoziiert. Zudem sind es heute eher die „Armen“ die übergewichtig sind.

Dazu passt auch, dass ein dicker Bauch in ärmeren Ländern tendenziell eher als schön angesehen wird, als in reichen Ländern. In Ländern, denen es wirtschaftlich besser geht, wird ebenfalls das schlank sein bevorzugt.

Der Bauch bei den Jäger und Sammlern

Man geht heute meist davon aus, dass Jäger und Sammler Völker kein Übergewicht und somit auch keinen Bauch zeigten. Ein generelles Übergewicht wäre für die Sippenmitglieder schon durch die Lebensweise eher unwahrscheinlich. Ohne eine gute körperliche Verfassung wären zumindest die Jäger der Sippe nicht in der Lage gewesen, die Versorgung sicher zustellen. Allerdings kann man annehmen, dass es auch Sippenmitglieder gab, die weniger körperlich aktiv waren und somit die Wahrscheinlichkeit für einen Bauch gegeben war. Es ist zumindest anzunehmen, dass es auch bei unseren Vorfahren zumindest in Zeiten eines reichen Nahrungsangebotes zu dem ein oder anderen Bauchansatz gekommen ist. Allerdings hat sich dieser wohl in Zeiten des Mangels, wieder eigenständig reduziert.

Das Leibesfülle und Bauch in der Steinzeit bereits Thema waren zeigen Kunstfunde, die älter als 30.000 Jahre sind.

Figur aus der Steinzeit

By User:MatthiasKabel (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY 2.5], via Wikimedia Commons

Ein bekanntes Beispiel ist die Venus von Willendorf. Diese 11 cm kleine Statue aus Kalkstein ist älter als 25.000 Jahre. Diese Figur wird in Forscherkreisen als Fruchtbarkeitssymbol gedeutet, da die detaillierte Darstellung der Geschlechtsmerkmale sehr auffällig ist.

Die Rundungen sind ebenfalls auffallend naturgetreu. Die Falten und Fettpolster sind so detailgetreu gearbeitet, dass man heute annimmt, das es sich nicht um eine stilisierte Darstellung handelt. Mit anderen Worten, möglicherweise ist die Statue ein Abbild einer damals lebenden Frau.

Zweifelsohne wird mit dieser kleinen Statue, die auch oft als „Urfrau“ oder „Verkörperung der Mutter Erde“ bezeichnet wird, unser Bild des typischen Jäger und Sammlers etwas verändert. Der ungarische Forscher Józsa konnte zeigen, dass sogar übermäßig oft Skulpturen mit fülligen Proportionen dargestellt wurden. (Quelle).

Allerdings kann man weiterhin annehmen, dass es in diesen Zeiten eher die Ausnahme war. Noch heute lebende indigene Völker bestätigen diesen Sachverhalt, wobei es auch dort regionale Unterschiede gibt.

Man kann es aber auch noch etwas anders interpretieren. Die ausgeprägte Körperfülle der Venus lag mit hoher Wahrscheinlichkeit weit ab der Realität. Statuen repräsentieren, oftmals weniger ein Abbild des IST-Zustand, als vielmehr ein Ideal, dass wünschenswert wäre. Dieses Ideal könnte entgegen der Realität, die eher durch Mangel als durch Überangebot an Nahrung geprägt war, möglicherweise eine Art „Wunschvorstellung“ gewesen sein, die so in der Wirklichkeit eher nicht anzutreffen war.

Hier gelingt dann auch wieder der Transfer zu unseren modernen Schönheitsidealen. Diese sind und bleiben auch in der Regel unerreichte Perfektion.

Der dicke Bauch heute

Heute haben Menschen mit einem Bauch in der Regel kein positives Image mehr. Die Geschmäcker in Bezug zur Attraktivität sind zwar sehr unterschiedlich. Der allgemeine Trend lehnt aber einen zu großen Bauchumfang ab.

Angeheizt wird das Thema zudem seit Jahren aus der medizinischen Betrachtung. Übergewicht gilt in den meisten Fällen als gesundheitlicher Risikofaktor. Besonders das Bauchfett (viszerale Fett) scheint nicht unbedenklich zu sein für unseren Organismus.

Noch vor einigen Jahren war Übergewicht, unabhängig von seinem Platz im Körper, perse als Problem ausgewiesen. Doch neue medizinische Erkenntnisse weisen Fett im Bauchraum, das sogenannte viszerale Fett, als besonderes Gesundheitsproblemen aus.

Daher wird heute immer häufiger zum Zentimetermaß gegriffen, um eine mögliche Gesundheitsgefährdung zu überprüfen. Daraus ergeben sich Gesundheitsparameter, wie z.B. das Taille-Hüft-Verhältnis oder andere Messgrößen.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, lässt zum Beispiel verkünden, dass Männer mit einem Bauchumfang von über 110 Zentimetern eine Wahrscheinlichkeit von 47 Prozent Diabetes, zu 90 Prozent Bluthochdruck und 95 Prozent schlechte Blutfettwerte besitzen. Dies sind ausgewiesene Risikofaktoren für jede Form von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Beim Mann sammelt sich Fett meist zentral in der Leibesmitte an. Der Bierbauch ist sicher jeder Person ein Begriff. Die Frau entwickelt Fetteinlagerungen eher am ganzen Körper, meist an Hüfte und Oberschenkel, aber auch am Bauch.

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Information

Der Bauchumfang wird gemessen in der Mitte zwischen dem Rippenbogenrand und dem Hüftkamm. Er ist einfach zu bestimmen, und epidemiologische Studien weisen auf die Bedeutung dieses Messwertes für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hin.

Um zu verstehen was den dicken Bauch und hier das viszerale Fett als gesundheitlichen Risikofaktor ausweist, muss man zunächst verstehen was Fett am Bauch eigentlich ist.

Dicker Bauch = viele Fettzellen

Fettzellen oder Adipozyten finden sich an verschiedenen Stellen des Körpers und gehören zum Bindegewebe. Eine Fettzelle speichert in ihrem Zellleib Fett und Wasser ab, welches auch wieder frei gesetzt werden kann.

Man unterscheidet zwei Formen von Fettzellen:

Univakuoläre Adipozyten

Dieser Zelltyp baut das sogenannte weiße Fettgewebe (Speicherfett) auf. Die Fettzellen speichern nicht nur Fett, sondern produzieren auch Hormone, die zum Beispiel unserem Gehirn mitteilen ob wir satt sind ( Leptin, Adinopektin).

Lies hierzu auch den Artikel: Hormonelle Signale bei Übergewicht

Plurivakuoläre Adipozyten

Bauen braunes Fettgewebe (aktives Fett) auf.
Wichtig zu wissen ist, dass die Anzahl der Adipozyten im Leben eines Erwachsenen konstant bleibt! Man konnte zeigen, dass der Grundstein darüber, ob ein Mensch fähig ist viel Fett einzulagern, bereits in der Kindheit entsteht. Bis zum 20. Lebensjahr wird diese Fähigkeit trainiert. Für unsere Vorfahren bedeutete das, wenn die jungen Menschen gut versorgt wurden, waren sie auch später in der Lage Energie besser zu speichern. Wiedereinmal hat hier die Evolution ihren Fingerabdruck hinterlassen.
Allerdings weiß man auch der „Füllzustand“ der angelegten Fettzellen kann verändert werden. Fettzellen können weißes Fett einlagern und somit an Volumen gewinnen. Das Energiedepot wächst genauso wie der Bauch. Dies passiert natürlich nur in einem Umfeld mit Energie- Überschuss (siehe Kapitel Kohlenhydrate).

Allerdings gibt es auch Hoffnung für alle die Körperfett abbauen wollen. Eine gewisse Menge an Fettzellen (10%) werden ab- und wieder aufgebaut, während des Lebens eines Erwachsenen. So gehen die Überlegungen in der Problemfrage gesellschaftliches Übergewicht aktuell in eine andere Richtung. Die Anzahl der Fettzellen kann kurzfristig nur ineffektiv verändert werden.

Diäten sind also unwirksam!

Nur eine lang angelegte nachhaltige Ernährungsumstellung wie die Paleo Diät ist hilfreich.

Aktives Braunes Fett kann mit bildgebenden Verfahren sichtbar gemacht werden.

By Hg6996 (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Braunes Fett ist aktives Fett. Das bedeutet es kann Energie in Wärme umwandeln. Eine Eigenschaft, die unsere Vorfahren aus der Steinzeit sehr willkommen war. So kann der Körper bei Kälteeinwirkung Energie über das braune Fett abbauen. Das ganze geschieht über die Oxidation von Fettsäuren in unseren Mitochondrien. Daher auch der Name „braunes“ Fett. Viele Säugetiere nutzen diesen Prozess, der Thermoregulation in der kalten Jahreszeit.

Bei uns Menschen finden wir das braune Fett auch noch und zwar bei Neugeborenen. Babys sind auf diese Wärmekraftwerke angewiesen. Damals wie heute ist Auskühlung für sie eine starke Bedrohung. Mit zunehmenden Alter jedoch verlieren wir das braune Fett. Dies liegt schlicht und ergreifend an der der Tatsache, dass wir es durch Heizung und dicke Kleidung nicht mehr brauchen. So geht uns aber auch der Effekt verloren, Fett direkt in Wärme umzuwandeln und somit Energie zu verbrauchen.

Allerdings konnte gezeigt werden, dass Kälte das braune Fett in unserem Körper wieder vermehrt. Ein Effekt, der die Forschung hoffen lässt, diese Fähigkeit bald gezielter einsetzen zu können. Am Universitätsklinikum Bonn wird zum Beispiel in dieser Richtung geforscht. Ziel ist eine kontrollierte Aktivierung und mögliche Umwandlung des weißen in braunes Fett.

Eine negative Eigenschaft von weißem Fett ist die Produktion von entzündungs- fördernden Botenstoffen.

Im Bauchraum liegt es über und zwischen den Organen des Bauches. Daher wird es auch Viszeralfett genannt, denn „viscera“ bedeutet „Eingeweide“.
Genau dieses innere Bauchfett ist gemeint, wenn vom gefährlichen Bauchfett die Rede ist.
Überschüssiges, tiefsitzendes Fett produziert Entzündungsmediatoren wie z.B. Tumor-Nekrose- Faktor-alpha (TNF-α). Eine Situation, in der Altersdiabetes und Arterienverkalkung mit all ihren Folgeerscheinungen (von Impotenz über Brustschmerz bis Herzinfarkt und Schlaganfall) begünstigt werden kann.

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TNF-α

Das Zytokin TNF-α ist ein zentraler Regulator des Immunsystems und an körpereigenen Prozessen wie Fieber, Infektionen und Entzündungen beteiligt. Bei dauerhafter Ausschüttung unterstützt er jedoch eine niedrig-gradige Entzündung und wird so zur Gefahr.

Wer also eine Zuwachs in seinem Bauchraum feststellen kann, vermehrt unbewusst die Gefahr auf gesundheitliche Probleme, die teilweise schwerwiegende Folgen haben.

Was kann man also tun?

In den nächsten Wochen werde ich den Ursachen und Möglichkeiten der Fettreduktion im Bauch auf den Grund gehen und eine Serie zu diesem Thema starten. Wie ist deine Meinung zum Thema „dicker Bauch“? Lass es mich wissen. Oder wenn du auch deinen Bauchansatz reduzieren willst und mehr zum Thema erfahren willst freue ich mich über deinen Kommentar.

Vitale Grüße
Unterschrift Christian
Christian Kollitsch
Physiotherapeut, Ernährungscoach, Jäger & Sammler

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6 Kommentare

  1. Christian Roller

    Super Beitrag!

    Schlimm finde ich die Entwicklung vor allem bei Kindern. Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit bis vor ca. 20 Jahren. Damals waren übergewichtige Kinder noch Ausnahmen und wurden oftmals dafür gehänselt. Meine Frau ist Lehrerin und kann mir heute erschreckendes berichten. Jeder dritte Jugendliche und jedes fünfte Kind ist übergewichtig. Sie unterrichtet an ihrer Schule auch Sport und stellt fest, dass die motorischen Fähigkeiten bei vielen stark unterentwickelt ist (auch bei Normalgewichtigen). Kinder brauchen Vorbilder!

    Sportliche Grüße aus Bonn
    Christian Roller

    Antworten
    • Christian Kollitsch

      Hi Christian,
      in der Tat ist die Entwicklung gravierend. Übergewicht in in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Bauchfett bei Kindern und Jugendlichen ist dramatisch. Auch für sie gilt: Je größer der Taillenumfang, desto höher ist das Risiko für Stoffwechsel- und Kreislauferkrankungen. Forschungsergebnisse zeigen, dass vor allem pubertierende Jungen mit Fettpolstern am Bauch häufig bereits erhöhte Leber- und Harnsäurewerte haben oder zu wenig „gutes“ HDL-Cholesterin im Blut zirkuliert.
      Vorbilder sind sicher wichtig, daher sollten Eltern bei sich anfangen. Die Schule muss hier meines Erachtens auch mehr Verantwortung übernehmen. LG

  2. Jan

    Hallo Christian,

    Ein wirklich allumfassender und leicht zu lesender Artikel. Das Thema „Bauchfett“ wird im Internet ja zu Genüge diskutiert. Ich sehe immer wieder Kinder, die am Tag eine große Flasche Cola und diverse Dick – Krankmacher trinken. Dazu habe ich mir mal Statistiken angesehen, wie hoch das Krebsrisiko bei den Kindern ist. Mit nur einer 0,5l Flasche kann das Krebsrisiko bei Kindern, um bis zu 60% erhöht werden. Die Schule sollte hier schnellstens eingreifen!

    Wirklich ein guter Artikel, wird direkt geteilt!

    Ansonsten gutes Gelingen und beste Grüße
    Jan

    Antworten
    • Christian Kollitsch

      Hey Jan,
      danke für deinen Kommentar. Ja viele Kids trinken gerne Softdrinks, anstatt Wasser oder Schorle. Hier versagen meiner Meinung nach die Eltern. Die Beziehung zwischen der 0,5 l Cola bei Kindern und Krebs kannte ich so noch nicht. Hast du eine Quelle dazu? Wird in der Statistik deutlich um welchen Krebs es sich handelt?
      Liebe Grüße
      Christian

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