Fleisch ist mein Gemüse… oder etwa nicht? Teil 1

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Der Klimaaspekt

Ernährungsgewohnheiten der Steinzeit waren stark abhängig von den klimatischen Bedingungen und den Umweltfaktoren der Region. Das Klima änderte sich während der Altsteinzeit oft und grundlegend.

In Afrika herrschte ein konstantes warmes Klima, so wie wir es in der Serengeti heute immer noch kennen. Das Klima in Europa war hingegen weniger konstant. Allein binnen zwei Millionen Jahren veränderte sich das Klima in Mitteleuropa mehrfach, mit Folgen für das gesamte Pflanzen-, und Tierreich. Warme bis mediterrane Klimata wechselten sich ab mit langen Eiszeiten. Während des größten Kältemaximum vor 200.000 — 150.000 B.C., in der Saaleeiszeit, erreichten skandinavische Gletscher Düsseldorf und das Rheinland, wodurch der Rhein blockiert wurde. So verschwanden Pflanzen, die sich an das frühere Klima gewohnt hatten nach einer Klimaveränderung. Tiere, die auf dieselbe klimatischen Verhältnisse und deren Pflanzen als Nahrung angewiesen waren, verschwanden ebenso.
Resultierend entwickelte sich in der Steinzeit das nomadische Leben unserer Vorfahren. Dort wo Pflanzen und Tiere Lebensbedingungen vorfanden, war auch der Mensch zu Hause.

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Erkenntnis Nummer 1:
Es lässt sich ableiten, dass die Nahrung der Steinzeit sehr unterschiedlich war. Die Ernährung war einerseits sehr abhängig von der Region in der man lebte und der saisonalen Verfügbarkeit. Andererseits muss man feststellen, dass sich die Ernährung in der Steinzeit wohl immer wieder geändert haben muss.

Ein Blick in die Wissenschaft

Untersuchungen alter Skelette, speziell an fossilem Zahnschmelz und Zahnstein ermitteln dass das Nahrungsspektrum der Steinzeit unter anderem aus ballaststoffreichen Pflanzen bestanden haben muss. Genauso wurden Spuren von Steinwerkzeugen an Antilopenknochen gefunden, die darauf hinweisen, dass bereits unsere Vorfahren vor 2,6 Millionen Jahren Fleisch und Knochenmark zu sich nahmen. Ob sie diese erjagten oder in Form von Aas zu sich nahmen wird heiß diskutiert.

Einig ist man sich heute darin, dass Pflanzen besonders Wurzeln, Knollenpflanzen, Wildgemüse, Halbgräser, Blätter und Baumrinde einen wesentlichen Bestandteil der damaligen Nahrung ausmachten. Also Nahrungsquellen die entweder sehr energie- oder ballaststoffreich waren. Zudem stand Fleisch von Wirbeltieren, welches jedoch nicht immer vorhanden war, auf dem Essensplan unserer Vorfahren. Eine weitere Quelle waren wirbellose Tiere, zum Beispiel Insekten, die wesentlich einfacher zu erbeuten waren und gleichzeitig wertvolle Proteine lieferten.

Manche Forscher erwähnen auch besonders Fisch und Krustentiere als menschliche Nahrung der Steinzeit. Es wird angenommen, das Krusten- und Schalentiere der Uferzone einen bedeutenden Aspekt innerhalb der menschlichen Evolution spielten. Die Uferzone hat in diesem Zusammenhang die Aufrichtung zum Zweibeiner unterstützt, da der zweibeinige Gang zum Sammeln kleiner Muscheln und Krebse, deutliche Vorteile aufweist.

Die Hypothese, dass sich unser Gehirn erst durch eine zunehmend proteinreiche Nahrung (in Form von Schalen- und Krustentieren) ausgeprägt hat, klingt für mich sehr schlüssig. In derartiger Kost findet man zudem sehr viel gesunde Omega 3- Fettsäuren. Unser Gehirn ist voll von dieser Fettsäure.

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Erkenntnis Nummer 2:
Die Steinzeitmenschen waren alles andere als reine „Fleischfresser“. Vielmehr waren sie ein „Allesfresser“, der eher in einem Mangel als im Übermaß gelebt haben muss. Da wir in der Paleo Diät davon ausgehen, dass sich unser Körper nur unwesentlich von dem der Steinzeitmenschen unterscheidet, sind wir ebenso „Allesfresser“. Möglicherweise stellt Fisch und andere maritime Kost eine besonders wertvolle Nahrungsquelle für uns Menschen dar.

Der Blick auf traditionell lebende Völker

Schauen wir doch einfach mal ins „Hier und Jetzt“. Auch heute noch gibt es Menschen, die sehr ursprünglich leben. Traditionelle Völker und Gemeinschaften finden sich immer noch auf den meisten Kontinenten. Diese Völker leben zum größten Teil angepasst an das jeweilige Ökosystem und ernähren sich nach wie vor traditionell und natürlich. Dabei werden zum einen Jagdmethoden wie die Ausdauerjagd, Jagd mit Pfeil und Bogen oder der traditionelle Fischfang genutzt. Zum anderen werden pflanzliche Lebensmittel gesammelt, die einen wesentlichen Bestandteil des Speiseplans darstellen.

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Jäger und Sammler in Europa

In unseren Breitengraden wurde bereits in der Altsteinzeit gejagt. Belegt werden kann das durch einen sensationellen Pfund aus Niedersachsen. Die Schöninger Speere (8 hölzerne Wurfspeere), die im Landkreis Helmstedt in den 90er Jahren gefunden wurden, belegen dass bereits vor 270-400.000 Jahren auf unserem Kontinent gejagt wurde. Sie stellen die ältesten, jemals gefundenen Jagdwaffen der Welt dar und unterstützen die Hypothese, dass bereist die Vorfahren der Menschen aktiv gejagt haben.

Je nach Region sieht der Speiseplan sehr unterschiedlich aus. Die San (Buschmänner) aus Süd- Westafrika kennen zum Beispiel über 85 essbare Pflanzen in ihrer Region. So werden Nüsse, Wurzeln, Früchte und Beeren verzehrt. Dazu jagen und erbeuten sie kleine und große Tiere der Region. Das traditionelle Volk der Samen, das als letztes Urvolk Europas bezeichnet werden kann, wiederum ernährt sich von Rehntierfleisch, Milch und selbstgemachtem Fladenbrot. Die traditionelle Ernährung der Kitava, einem gut erforschten Volk aus Papua-Neuguinea, besteht überwiegend aus Kohlenhydraten in Form von Wurzelgemüse, Kokosnüssen, Bananen, Papaya, Ananas, Guave, Wassermelonen und Kürbis, sowie aus etwas Fisch.

Die folgende Tabelle verdeutlicht das breite Spektrum der Nahrungsgewohnheiten verschiedener Jäger und Sammler Völkern.

PopulationLocationBreitengradAnteile tierischer Nahrung (in %)Anteile pflanzlicher Nahrung (in %)
AboriginesAustralien12S7723
AcheParaguay25S7822
EfeAfrika12S7525
EskimoGrönland69N964
GwiAfrika23S2674
HadzaAfrika3S4852
HiwiVenezuela6N7525
KungAfrika20S3367
SanAfrika20S6832
NukakKolumbien2N4159
NunamiutAlaska68N991
OngeAndamanen12N7921

Tabelle: Mengenanteile von tierischer und pflanzlicher Nahrung bei Jäger und Sammler Völkern (Quelle)

Unterm Strich ist das Nahrungsspektrum sehr groß und abhängig von der Region, in der die Völker leben. Hervorheben muss man, dass die meisten der natürlich lebenden Völker keine Zivilisationskrankheiten (mehr Infos unter: Wissenschaft und Paleo) haben.

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Erkenntnis Nummer 3:

Berücksichtigt man Aspekte der Ernährungsweise von traditionell lebenden Völkern ist gesunde Ernährung kein fest geschriebenes Diät Konzept. Wir lernen, dass Lebensmittel aus der unmittelbaren Region zu bevorzugen sind. Natürliche Lebensmittel bieten in der Regel alles was man zum Leben braucht. In wie weit das Verhältnis von tierischen zu pflanzlichen Anteilen in der Nahrung auszusehen hat, ist schlichtweg nicht eindeutig zu beantworten.

Zwischenfazit für die Paleo Diät

Die oben genannten Aspekte führen uns sehr gut vor Augen, dass die „Paleo Ernährung“ vielmehr ist, als Fleisch zu essen, wenngleich tierische Nahrungsmittel immer Teil der menschlichen Ernährung waren!

Der Blick zurück in die Steinzeit und auf gegenwärtig traditionell-lebende Völker, die abseits der Zivilisation im Einklang mit der Natur leben verdeutlichen diese Tatsache.
Übertragen wir diese Dinge in unsere Welt bedeutet das aus meiner Sicht, sich wieder mehr mit regionalen Nahrungsmitteln vertraut zu machen. Das unmittelbare Umfeld bietet eigentlich alles was man für eine gesunde Ernährung benötigt. Möglichst naturbelassene Nahrungsmittel sind zu bevorzugen. Je nach Saison kommen so unterschiedliche Lebensmittel auf den Speiseplan. Fleisch ist dabei Teil einer gesunden und natürlichen Lebensweise und selbstverständlich auch Teil der Paleo Ernährung.

Vitale Grüße
Unterschrift Christian
Christian Kollitsch
Physiotherapeut, Ernährungscoach, Jäger & Sammler

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