Hormonelle Signale bei Übergewicht

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Bin ich überhaupt adipös?

Der Grund warum Menschen überhaupt eine Diät machen, ist in der Regel schnell gefunden. Meistens ist es ein subjektiv wahrgenommenes Übergewicht, dass dazu motiviert eine „neue“ Diät zu absolvieren. Adipositas beschreibt allgemein die Vermehrung des Körperfetts, die über das Normalmaß hinausgeht. Beschäftigen wir uns also zunächst mit dem Thema Übergewicht oder Adipositas als solches, um in der Diätfrage weiter zu kommen.

Klassifiziert wird Adipositas über den BMI. Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht [kg] dividiert durch das Quadrat der Körpergröße [m²].

Die Formel lautet:
BMI = Körpergewicht : (Körpergröße in m)². Die Einheit des BMI ist demnach kg/m².

Hier kannst du ihn online berechnen:
https://www.uni-hohenheim.de/wwwin140/info/interaktives/bmi.htm

„Adipositas ist als BMI > 30 kg/m² definiert “

Festzuhalten ist, dass der BMI allein keine Aussage darüber macht, ob ich gesund oder ungesund bin. Es gibt sowohl gesund adipöse Menschen, wie auch ungesunde adipöse menschen. Um eine Aussage zu machen sind weitere Werte wie Taillenumfang, Blutwerte (HbA1c, Entzündungsmarker, …), der Körperfettanteil, Hormonwerte u.a. wichtig.

Hormone und Fettspeicherung

Wir wissen, das die Fähigkeit Fett abzuspeichern eigentlich ein sinnvolles Programm unseres Körpers ist, um zu Überleben. Leider speichern viele Menschen heute zu viel Fett ab. Es scheinst als würde unser Stoffwechsel nicht mehr richtig zu funktionieren. Leider wird in den Medien immer nur über Kohlenhydrate, Fette und Proteine gesprochen. Das die Gewichtsregulation jedoch auch sehr stark von Hormonen abhängig ist wird nur selten erwähnt.

Was sind Hormone?

Hormone dienen dem Körper als eine Art Kommunikationsmittel. Sie werden nötig, um im Körper Informationen von einer Stelle an eine andere Stelle zu vermitteln. Sie ermöglichen auf diese Weise die Regulation innerhalb des Körpers am jeweiligen Organ oder an der jeweiligen Zelle.

Im folgenden werde ich dir ein paar Ursachen zum Thema Hormone und Stoffwechsel mit sekundärer Folge Adipositas erläutern:

Insulinstoffwechsel

Nach einer Mahlzeit erhöht sich unser Zucker- oder Glucosespiegel im Blut. Der Glucosespiegel steigt besonders hoch an durch Nahrungsmittel mit vielen einfachen Kohlenhydraten und Stärke.

Die Blutglucose muss nun, um als Energie verfügbar zu werden, in unsere peripheren Körperzellen eingeschleust werden. Unser Körper hat genau ein Hormon, um Energie für unsere Zellen verfügbar zu machen: Insulin.

Jedes Mal wenn wir etwas Essen wird Insulin durch unsere Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet. Dieses Hormon macht den Weg frei, um die Energie ins Innere unserer Zellen zu transportieren. Die Zelle bekommt was sie will, nämlich Energie und du und ich fühlen uns zufrieden.

Was passiert bei einem Überschuss?

Jeder Überschuss wird abgespeichert in Muskel- und Leberzellen und nennt sich dann: Glycogen.
Glycogen kann mit Hilfe von Glucagon, einem weiteren Hormon, bei Bedarf in Glucose umgewandelt werden. So kann man auch ohne Nahrung kurzfristig den Blutzuckerspiegel erhöhen.

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Information

Glucagon ist ein Mobilisierungshormon. Es ist als Gegenspieler von Insulin aktiv und hebt den Blutzucker an. Glucagon stimuliert die Freisetzung von im Körper gespeicherter Glucose (Glycogen). Über den Prozess der Glucogenolyse kann so der Blutzucker ohne Nahrungsaufnahme erhöht werden.

Glucagon stimuliert zudem die Neuherstellung von Glucose im Körper, z.B. aus Proteinen, über den Vorgang der Gluconeogenese. Dieser wird dann wichtig,wenn die Glucosespeicher im Körper erschöpft sind. Zudem werden auch Fettdepots abgebaut, da der Körper aus Fettsäuren (Tryglizeriden) ebenfalls Glucose herstellen kann.

Bei Glucosemangel bekommen die Fettzellen die Information: „Energiemangel“, was dazu führt, dass Fette als Energieträger funktionieren und das Fett abschmelzen kann.

Sind auch die Glycogen-Speicher voll, z.B. wenn mehrmals täglich Mahlzeiten mit viel Glucose aufgenommen werden, wird der Überschuss in Fett umgewandelt. Passiert das nun permanent erhöht sich der Körperfettanteil der Person.

Insulinresistenz

Bei permanentem Angebot an Glucose wird das beschriebene System überstrapaziert, denn der Körper muss Glucose unbedingt aus der Blutbahn bekommen! Insulin zirkuliert jetzt permanent im Blut. Die Zellen sprechen irgendwann jedoch nicht mehr auf dieses Hormon an. Es kommt zu einer Insulinresistenz. Die Folge ist viel überschüssige Energie in der Blutbahn, die abgespeichert werden muss. So werden die Fettspeicher immer weiter gefüllt.

Insulin dient nicht nur der Energieaufnahme in die Zellen, sondern wirkt auch adipogen. Das bedeutet, Fettspeicher werden aufgebaut. Gerade bei Menschen, die sich wenig bewegen und die Muskulatur folglich nicht ausreichend einsetzen, kommt es zu einer Fettabspeicherung.

Erkenntnis: Insulin muss sparsam verwendet werden. Am besten gelingt dies durch eine gute Mischkost mit Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen im Verhältnis 1:1:1. Bei bereits bestehender Adipositas kann eine Nahrungszusammensetzung mit mehr Fett und Proteinen und weniger Kohlenhydraten sinnvoll sein. Die Häufigkeit der Mahlzeiten spielt jedoch auch eine Rolle.

Leptinstoffwechsel

Leptin ist ein Hormon, dass man erst seit Mitte der 90er Jahre kennt. Es informiert im wesentlichen unser Gehirn über den aktuellen Ernährungszustand.

Unser Körperfett, das weiße Fett, produziert Leptin. Wer also viel Körperfett besitzt hat auch einen hohen Leptinspiegel im Blut.

„Genug Fettreserven = Energiereserven ↑ = Leptinspiegel ↑“

Die Leptinausschüttung im Blut wird jedoch über die Kalorienaufnahme reguliert. Das bedeutet nimmt man genügend Kalorien zu sich, ist der Leptinspiegel konstant. Dem Gehirn wird signalisiert „Ich bin gut genährt!“. Dein Stoffwechsel, besonders auch der Grundumsatz bleiben konstant hoch. Fette werden verstoffwechselt.

Wenn man nun die Kalorienaufnahme senkt, indem zum Beispiel eine klassische Diät durchgeführt wird, sinkt der Leptinspiegel im Blut!
Das Gehirn bekommt die Nachricht: „ Ich bin unterernährt!“. Die Folge ist nun ein verlangsamter Stoffwechsel, der Grundumsatz sinkt. Ebenso werden die Fettdepots geschont, denn der Körper schützt vorausschauend seine Depots. Es könnte ja noch schlimmer werden. Unser Stoffwechsel wird quasi gestresst.

„Wenig Nahrung = Leptin ↓ = Programm: Reserven bilden“

Kurzum: Das Programm Fette speichern wird angekurbelt. Das Stresshormon Kortisol wird ausgeschüttet, welches die Einlagerung von Bauchfett begünstigt. Dazu kommt noch, dass dein Hunger angeregt wird, da appetitanregende Hormone wie Ghrelin, Anandamid und Neuropeptide-Y in die Höhe schießen.

Erkenntnis: Eine Diät verursacht eine Herabsetzung des Stoffwechsels und führt zu Hunger, da sich der Leptinspiegel vermindert. Das Programm „Fette speichern wird aktiviert!“. Mittel- bis langfristig, und nach mehreren Versuchen mit Jojo-Effekt ist der Körperfettanteil jedoch höher als ein paar Jahre zuvor.

Leptinresistenz

Langfristig erhöht sich der Körperfettanteil also durch eine Diät, was bedeutet, dass der Leptinspiegel im Blut auch konstant hoch ist. Denn viel Körperfett bedeutet ja viel Leptin im Blut und das dauerhaft.

Hier findest du eine Auswertung des Körperfetts bei Männer und Frauen:

Körperfett – Frauen

AlterExzellentGutMittelSchlecht
20-2418,922,125,029,6
25-2918,922,025,429,8
30-3419,722,726,430,5
35-3921,024,027,731,5
40-4422,625,629,332,8
45-4924,327,330,934,1
50-5926,629,733,136,2
60+27,430,734,037,3

Körperfett – Männer

AlterExzellentGutMittelSchlecht
20-2410,814,919,023,3
25-2912,816,520,324,3
30-3414,518,021,525,2
35-3916,119,322,626,1
40-4417,520,523,626,9
45-4918,621,524,527,6
50-5919,822,725,628,7
60+20,223,226,229,3

Welches Problem entsteht nun, wenn der Leptinspiegel im Blut konstant erhöht ist? Mit anderen Worten, was passiert wenn Menschen von Jahr zu Jahr ihren Körperfettanteil durch ungesundes Essen in Verbindung mit Crash-Diäten, Bewegungsmangel und chronischen Stress erhöhen?

Du kennst das Phänomen schon vom Insulin. Das Zielorgan, hier Teile des Gehirns, verliert irgendwann die Sensibilität für Leptin. Das Gehirn wird resistent gegen Leptin. Andere Hirnbereiche bekommen nun nicht mehr die Meldung: „Genügend Energiespeicher vorhanden!“ Es kommt wiedereinmal zu einer Verlangsamung des Stoffwechsels und das Programm „Fett speichern“ wird aktiviert.

„Leptin wird nicht erkannt (Leptinresistenz) = Hungersnot (Gehirn)
= Hunger ↑↑↑ + Stoffwechsel ↓↓↓ (Reaktion)“

Leptin- und Insulinresistenz hängen zusammen

Die beiden Hormone Insulin und Leptin arbeiten zusammen. Wenn der Insulinspiegel steigt im Blut, z.B. nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit, steigt normalerweise auch der Leptinspiegel im Blut an, da die Fettzellen angeregt werden Leptin auszuschütten. Auf lange Sicht bedeutet das wenn immer viel Insulin im Körper zirkuliert wird Leptin ebenfalls immer erhöht sein.

Irgendwann werden beide Hormone von den jeweiligen Zellen nicht mehr adäquat erkannt. So entsteht der in der Zelle der Eindruck, dass es an Nahrung (Energie) mangelt, obwohl ja eigentlich gerade genug gegessen wurde und Energie im Körper reichlich vorhanden ist. Der Körper verhungert bei vollen Speichern.

Merke: In der Summe führen beide Prozesse zu einer Verlangsamung des Stoffwechsels und zu mehr Körperfett!

Fazit

Man muss verstehen, dass unser Körper immer und damit meine ich immer daran interessiert ist, eine vollen Tank zu haben. Das bedeutet das Gehirn möchte permanent wissen, wie viele Reserven es für schlechte Zeiten besitzt. Hierfür tut das Gehirn alles! Im Zweifel wird eben der Stoffwechsel gedrosselt und somit Fett gespeichert. Zu lange haben wir Hunger gelitten in unserer Menschheitsgeschichte!

Die Gefahr einer echten Hungersnot oder Krankheit bei der übermäßig viel Energie benötigt wird ist schlicht und ergreifend zu groß. Die Evolution und 84.000 Jäger und Sammler Generationen haben unseren Stoffwechsel dermaßen geprägt, dass es heute schwerfällt diesen bewusst zu überlisten, indem man einfach weniger isst.

Der erste Schritt, um seinen Körper und damit auch das körpereigene Fett zu regulieren ist diesen Aspekt zu verstehen. Dann ist es wichtig den Stoffwechsel zu normalisieren und das bedeutet bei den meisten adipösen Menschen ausgeglichener und auch mehr zu essen!

Insulin und Leptin sind neben weiteren Hormonen die entscheidenden Botenstoffe für unseren Energiehaushalt. Kommt es zu einer Resistenz führt das zu einem vermindertem Grundumsatz und erhöhtem Blutzucker. Die Folge ist dann neben Adipositas irgendwann auch Diabetes Typ 2, metabolisches Syndrom usw.

Wer sein Gewicht langfristig reduzieren will, muss also seinen Stoffwechsel und damit die Hormonlage in seinem Körper wieder normalisieren. Es gilt die Zellen wieder sensitiv für beide Hormone zu machen. Dabei gilt: Je früher man anfängt im Leben, desto besser gelingt die Umstellung!“

Im dritten und letzten Teil über Diäten werde ich nächste Woche Möglichkeiten zur Normalisierung des Stoffwechsels erläutern und die Vorteile von Paleo dabei klar machen.

Vitale Grüße
Unterschrift Christian
Christian Kollitsch
Physiotherapeut, Ernährungscoach, Jäger & Sammler

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