Interview mit Martin von schnell. einfach. gesund

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Wie bist du zum Bloggen gekommen? Was möchtest du deinen Lesern im Blog vermitteln?

Ich habe damit vor 5 Jahren zusammen mit meinen Geschwistern begonnen. Es begann als Spaßprojekt, doch ich merkte bereits nach wenigen Monaten, dass ich damit auch mein Studium teil-finanzieren kann. Also begann ich, für Onlinemagazine wie Primal-State, Paleolifestyle und MyProtein zu schreiben, verdiente mir so etwas Geld, baute ein Netzwerk auf, vertiefte meine Schreibkenntnisse, und war um eine Leidenschaft reicher geworden.

Am Wichtigsten ist es mir zu vermitteln, dass jeder selbst für seine Gesundheit verantwortlich ist. Nicht der Arzt ist verantwortlich, nicht der Staat oder die Krankenkasse, sondern man selbst. Daher gebe ich so viele Praxistipps, wie man mehr Gesundheit erlangt und besonders, wie das alltagstauglich wird. Mit vielen Kleinigkeiten kann man so einen gesunden Alltag aufbauen, und damit ganz nebenbei diese überschüssigen Kilos verlieren, mehr Konzentration und Lebensfreude erlangen, und sogar chronische Gesundheitsprobleme angehen.

Was bedeutet für dich natürliche Gesundheit? Welche Aspekte zählen für dich zu einem natürlichen Lebensstil?

Natürlich heißt für mich, so nah an der Natur und so nah am Leben unserer Vorfahren wie nur möglich. Dabei orientiere ich mich sowohl an unseren Vorfahren aus der Steinzeit, als auch an unseren Urururur-Großeltern vor der Industrialisierung. Ich verstehe chronische Gesundheitsleiden als ein modernes Problem und vergleiche immer unsere Lebensführung heute mit denen unserer Vorfahren, um Ursachen für Krankheiten zu suchen. Ergänzend dazu helfen mir moderne wissenschaftliche Studien.

Zu einem natürlichen Lebensstil gehört für mich:

  • Eine natürliche, nährstoffreiche Ernährung
  • Gesunder und ausreichender Schlaf
  • Viel Zeit an der frischen Luft und in der Sonne
  • Zeit in der Natur
  • Tägliche Bewegung im Alltag
  • Mehrmals wöchentlich Sport, der Kraft, Ausdauer und Koordination trainiert
  • Mediation
  • Reduktion von chronischem Stress
  • Zeit mit der Familie und mit Freunden

Wie ernährst du dich? Beschreibe uns doch mal einen Tag in deinem Leben in Sachen Nahrung.

Meine Ernährung würde ich als ein Mischding aus Paleo-Ernährung und Clean Eating bezeichnen. Ich ernähre mich überwiegend Paleo, baue aber hier und da selbstgemachten Joghurt, Butter, Hülsenfrüchte, Pseudogetreide und Proteinpulver ein, um meinen Alltag zu erleichtern. Und am Wochenende drücke ich hier und da auch mal ein Auge zu und gönne mir mein Nutellabrötchen (das allerdings nur, weil ich an keiner Stoffwechsel- oder Autoimmunerkrankung leide und viel Sport treibe).

Ein typischer Ess-Tag bei mir:

  • Früh: Große Tasse Kaffee und bei Hunger eine Handvoll Nüsse.
  • Zwischendurch bei Hunger: 1-2 Äpfel.
  • Mittags: Großer Salat in der Cafeteria des Uniklinikums mit frischem Gemüse, vielleicht ein paar Bohnen, Reis, Ei oder Schinken, Sonnenblumenkernen – und das Ganze ertränkt in gutem Olivenöl.
  • Abends: Stück Bio-Fleisch zum Kurzbraten oder Fisch, 500g Gemüse (meist eine Tiefkühl-Gemüsemischung), viel Olivenöl und Butter. Bei großem Hunger zusätzlich 200g Reis, Bohnen oder Hirse.
  • Abends (wenn es mal schnell gehen soll): Naturjoghurt, 300g Tiefkühl-Beeren, 2 Stück Obst, Leinsamen, Kakao, Proteinpulver, etwas Stevia, Haferflocken/Reisflocken (wenn zuvor Kraftsport).
  • Optional Dessert: Glas Rotwein (selten), Naturjoghurt mit Honig, Nüsse, heißer Kakao (ohne Milch und Zucker)

Das pendelt sich meist von ganz allein bei circa 2500 kcal ein. Damit habe ich seit 4 Jahren ein stabiles Kampfgewicht von 90 kg.

Denkst du, dass sich die Ernährung auf die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit auswirkt? Hast du da eigene Erfahrungen?

Auf jeden Fall. Allein der Umstieg von einer „normalen“ Ernährung auf Paleo vor 7 Jahren hat mir direkt ein großes Upgrade in Sachen Fitness und körperlicher Belastbarkeit verschafft. Während meines Studiums habe ich oft beobachtet, wie sehr meine Konzentration und geistige Leistung mit der Güte der Ernährung und diversen Nährstoffen zusammenhängt und, dass ich auch bis spätabends noch hochkonzentriert lernen konnte.

Im Laufe der Zeit habe ich meinen Körper immer besser kennengelernt: Welche Nahrungsmittel mir besonders guttun, welche weniger gut (z.B. Eier), welche Marken weniger gut sind, welche Nahrungsmittel mein Körper in welchem Zustand/Stimmung/Wehwehchen braucht, und mehr.

Dieser Lernprozess wird wahrscheinlich niemals abgeschlossen sein. Aber ich bin immer wieder überrascht, mit welchen Mitteln ich immer noch ein Stück gesünder und konzentrierter sein kann. Das verstehe ich nicht als hirnlose und perfektionistische „Optimierung“, sondern als stete Verbesserung. Ein Beispiel: Letztes Jahr habe ich bemerkt, dass ich Eier nicht gut vertrage. Seitdem esse ich nur noch 3-4 Eier pro Woche, und meiner Verdauung geht es viel besser, sowie meiner Konzentration direkt nach dem Essen. Außerdem habe ich endlich die optimale Magnesiumdosis gefunden, um das berühmt-berüchtigte Nachmittagstief zu vermeiden.

Was sind deine Top 5 in Sachen Superfoods? Welches heimische Superfood steht bei dir ganz oben auf der Liste?

Sehr unterschätzt sind auf jeden Fall Leinsamen und Beeren. Beide sehr reich an Ballaststoffen, Vitaminen und Antioxidantien, und günstiger als die meisten meinen.
Innereien sind auch super – Rinderleber etwa ist das nährstoffreichste Lebensmittel, das es gibt. Darüber hinaus sind Innereien sehr günstig. Und nein – sie sind kein Speicherort für Giftstoffe und dergleichen.
Selbstgemachter Joghurt ist sehr lecker und günstig und wichtig für die Darmgesundheit. Nicht Paleo, aber würde ich dennoch gerne nennen.
Nicht ganz heimisch, aber möchte ich auch nennen: gutes Olivenöl. Wird sehr unterschätzt.

Hast du Erfahrungen mit Fasten? Wenn ja, welche? Wenn nein, was denkst du dazu?

Ich betreibe seit ein paar Jahren an den meisten Wochentagen intermittierendes Fasten. Das fällt mir sehr leicht, da ich früh meist einfach keinen Hunger habe. Ich komme an den meisten Tagen problemlos bis zum Mittagessen aus, und frühstücke nur 1-2 Tassen Kaffee. Sollte ich doch mal Hunger haben, reicht eine Handvoll Nüsse und/oder 1-2 Äpfel sowie ein Eiweißshake, um bis zum Mittagessen „durchzuhalten“. Von intermittierendem Fasten halte ich sehr viel, weil es alltagstauglich ist, und jeden Tag (das ganze Jahr) für kurze Zeit Fastenprozesse im Körper gestartet werden, und der Körper davon profitiert. Außerdem wird so ganz nebenbei die Fettverbrennung verbessert.

Mehrtägiges Fasten habe ich schon seit ein paar Jahren nicht mehr gemacht, weil ich mit Vollfasten in meinem doch sehr anstrengenden und stressigen Alltag (viel Arbeit, viel Verantwortung, lange Arbeitstage) und meinem Sportpensum (fast täglicher Sport ist mir ein Grundbedürfnis) nicht gut zurechtkomme. Ich finde es super, wenn Menschen 1-2 mal im Jahr für eine Woche Vollfasten machen, und unterstütze das auch gerne, aber aktuell passt mir das nicht in meinen Alltag.

Welche Rolle nimmt Bewegung und Training in deinem Leben ein? Machst du da einen Unterschied?

Da Sport mir sehr viel Spaß macht und besonders Laufen in der Natur ein Grundbedürfnis für mich ist, treibe ich gerne und viel Sport. Im Schnitt mache ich 2-mal wöchentlich Krafttraining (Ganzkörpertraining, je 30-40 Minuten), und gehe 2-mal wöchentlich 40-60 Minuten laufen. Früher kam noch Kampfsport dazu, aktuell fehlt mir da die Zeit.

Darüber hinaus versuche ich, viel Bewegung in den Alltag einzubauen: Zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit, viele Botengänge erledigen, alle 60 Minuten aufstehen und bewegen, viele Treppen steigen. Wo ich kann, versuche ich im Stehen zu arbeiten. Das klappt nicht immer, aber ich versuche es. So komme ich auch im Alltag auf 6000-10000 Schritte täglich.

Wie stehst du dem Thema Krankheit und Lebensstil gegenüber? Welche Erkrankungen sind deiner Meinung nach mit Ernährung und gesunden Lebensstil heilbar oder beeinflussbar?

Alle chronischen Erkrankungen sind mit Ernährung und gesundem Lebensstil behandelbar. Die Ursachen für diese Erkrankungen liegen meiner Erfahrung nach zu 80% im Lebensstil, zu 20% in der Genetik und in nicht-beeinflussbaren Faktoren. Zu diesen Erkrankungen zähle ich Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes, Bluthochdruck), chronisch-entzündliche Erkrankungen (z.B. Akne, Asthma, Ekzeme, Arthritis), Autoimmunerkrankungen (z.B. Hashimoto, Morbus Crohn, rheumatoide Arthritis, multiple Sklerose), degenerative Erkrankungen (z.B. Osteoporose, Alzheimer) und akute Infekte. Mit gesunder Lebensführung lassen sich diese Erkrankungen vorbeugen, und auch behandeln.

Über Krebs möchte ich keine Aussage treffen, da ich von Krebs zu wenig Ahnung habe.

Du bist ja Wissenschaftler. Was ist Gegenstand deiner Forschung?

In meiner Doktorarbeit untersuche ich, wie Entzündungen entstehen. Entzündungen sind der kleinste gemeinsame Nenner hinter den meisten chronischen Erkrankungen. Mit diesem Wissen möchte ich wissen, wie Entzündungen zur Entstehung von Morbus Crohn beitragen, und mit diesem Wissen eine neue und individualisierte Morbus Crohn Therapie entwickeln. Wen es im Detail interessiert: NLRP3-Inflammasom – aktuell ein ganz heißes Thema in der Wissenschaft!

Was denkst du müsste passieren, damit das Thema Darmgesundheit und/oder Fettleber noch mehr ins Bewusstsein der Menschen mit Zivilisationskrankheiten rückt?

Großangelegte klinische Studien, die zeigen, dass sich eine verbesserte Darm-/Lebergesundheit positiv auf Zivilisationskrankheiten auswirkt. Aber dazu fehlt erfahrungsgemäß das Geld, da mit gesunder Lebensführung keine Industrie Geld verdienen kann.

Was noch gut wäre: Bewusstsein schaffen durch Beiträge/Blogs wie diesen, Menschen zum Handeln und Ausprobieren bringen, und die Erfolgsgeschichten dann in die Welt tragen – Menschen reagieren auf positive Erfolgsgeschichten stärker als auf wissenschaftliche Argumente.

Welches Projekt liegt dir gerade am Herzen und warum?

Mein Herzensthema ist das, was ich mir mit dem Autoimmunportal und SchnellEinfachGesund im letzten Jahr aufbauen durfte. Die steigenden Leserzahlen, und die vielen Mails von Menschen, denen wir helfen konnten. Da kommen teilweise Geschichten mit so positiven Nachrichten, die für mich noch schwer begreifbar sind. Zu merken, dass wir da richtig was bewegen können im Leben (und Gesundheit) der Menschen, das begeistert mich jeden Tag aufs Neue.
Und natürlich längerfristig meine Arbeit in der Klinik. Da sehe ich jeden Tag die Betroffenen mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa – wie schlecht es denen teilweise geht, und dass sie unbedingt bessere Hilfe benötigen. Dieser Kontakt mit Betroffenen motiviert auch ungemein.

Der Blick zum Horizont: Was macht Martin in 3 Jahren auf dieser Erde? Möchtest du einen Blick in die Zukunft wagen?

Wenn es richtig gut läuft, möchte ich in 3 Jahren gerne meine Doktorarbeit abschließen und als wissenschaftliche Arbeit veröffentlichen. Was ich damit dann mache, mal sehen. Klinische Forschung, oder Selbstständigkeit.
Ich hoffe, dass ich mir in dieser Zeit meine nebenberufliche Selbstständigkeit bewahren und weiterhin mein Herzensprojekt betreuen kann. Als Chefredakteur des Autoimmunportals darf ich federführend an etwas Großem sein, das die medizinische Landschaft in Deutschland in naher Zukunft prägen und vielen Tausenden Betroffenen helfen wird. SchnellEinfachGesund möchte ich ebenfalls wachsen lassen, und Lesern auch weiterhin einfache Gesundheitstipps für den Alltag schmackhaft machen.
Das wäre ein schöner Blick in die Zukunft. Mal sehen, was in 3 Jahren ist 😊

Beste Grüße
Martin Auerswald
Blogger und biochemischer Berater.

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