Kaffee und Paleo

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Herkunft und Geschichte der Kaffeebohne

Von der Pflanze zur Bohne

Der botanische Name für Kaffee ist Coffea. Sie zählt zur Familie der Rubiazeen, den Rötegewächsen, zu der rund 500 Gattungen mit über 6.000 Arten gehören. Für den weltweiten Kaffeekonsum bedeutend sind heute nur zwei Coffea-Arten: Coffea Arabica und Coffea Canephora, uns besser bekannt als Arabica und Robusta.

Da die Pflanzen sehr sensibel sind, ist ihr Anbau nur in bestimmten Gebieten der Welt möglich. Es bedarf zudem einer präzisen Pflanzung und Pflege, damit aus einem Keimling eine ertragreiche Pflanze mit reifen Früchten wird. Hauptlieferant auf dem Weltmarkt ist seit langer Zeit Brasilien, vor Vietnam und Kolumbien. Die Anbaugebiete finden sich in der Nähe des Äquators. Hier sind die Bedingungen für das Wachstum optimal.

eine Kaffeebohne im Reifungsprozess

Nach Anbau und Blüte ist die Frucht der Kaffeepflanze nach 6-8 Monaten (Arabica) bzw. nach 9-11 Monate bis reif zur Ernte. Die reife Kirsche hat eine rote oder gelbe Haut, die das Fruchtfleisch (Pulpe) umschließt. Darin finden sich zwei Samen, welche als Kaffeebohnen bezeichnet werden.

61% der Welternte gehen auf Arabicabohnen, 39% auf Robustabohnen zurück. Kaum von wirtschaftlicher Bedeutung sind zwei weitere Kaffeesorten: Coffea Liberica und Coffea Excelsea.

Weltweit wird Kaffee heute auf einer Gesamtfläche von 10 Millionen Hektar angebaut, wobei 140 Millionen Säcke á 60 kg Rohkaffee produziert werden. Ein echtes Massenprodukt also.

Ursprung des Kaffeegenuss

„Kaffee“ leitet sich vom arabischen „Kahwe“ oder „Qahwa“ ab und bedeutet soviel wie Lebenskraft oder Stärke. Um das Thema wie der Kaffeekonsum und Anbau zustande gekommen ist, ranken sich heute noch viele Legenden und Mythen.

Fest steht, die Pflanzengattung Coffea stammt aus dem tropischen Afrika und hat dann von da aus seinen weltweiten Siegeszug begonnen. Als Ursprungsgebiet der Art Coffea Arabica gilt das äthiopische Hochland, während der Ursprung von Coffea Robusta eher am Äquator in Uganda wo ein feuchtwarmes Klima herrscht.

Die ersten Kaffeehäuser in Europa gab es in der Türkei in Istanbul im 16. Jahrhundert. Später dann in Venedig und danach in London, Oxford, Wien, sowie schließlich auch in Paris. Das erste deutsche Kaffeehaus eröffnete 1673 in Bremen. Ein Kaffeehaus in Berlin folgte erst im Jahr 1721.

Die Kaffee Analyse

„Was steckt denn nun drin im Kaffee?“ Christian Kollitsch – Paleo Coach

Koffein

Der primäre Effekt von Kaffee resultiert aus seinem Koffeingehalt, wodurch Kaffee einen stimulierenden Effekt auf den Körper hat. Eine Tasse Kaffee hat zwischen 70-130 mg Koffein. Koffein stimuliert das Nervensystem des Menschen, indem es als sogenannter Adenosinantagonist wirkt. Adenosin ist ein organisches Molekül in unserem Körper, dass bestimmte Neurotransmitter beeinflusst. Adenosin ist am Energiestoffwechsel beteiligt, hemmt aber auch gleichzeitig alle erregenden und aktivierenden Neurotransmitter wie z.B. Dopamin, Acethylcholin oder Noradrenalin. So reguliert es unter anderem die Gehirnaktivität und beeinflusst „Wachen“ und „Schlafen“. Koffein blockiert nun bestimmte Adenosinrezeptoren im Gehirn, wodurch der Wachzustand verlängert wird.

Die Wirkung hält, je nach Dosierung und Koffeinempfindlichkeit der Person zwischen 2-10 Stunden an. Außerdem stimuliert Koffein die Abgabe von Stresshormonen wie Kortisol und Adrenalin aus unserer Nebennieren, wodurch sich der Blutdruck erhöht und der Herzschlag schneller wird.

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Information

Die Nebennieren (Glandular adrenalis, ad-renalis = neben-Niere) sind zwei kleine, pyramidenförmige Hormondrüsen, die oben auf den Nieren aufsitzen, woher auch ihr Name stammt.
Das Nebennierenmark ist eng verknüpft mit dem vegetativen Nervensystem. Es produziert die beiden Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Dadurch erhöht sich die Herztätigkeit, der Blutdruck und es wird Glukose freigesetzt um so dem erhöhten Energiebedarf gerecht zu werden.

Die Nebennierenrinde bildet zudem Mineralkorticoide, Glukocorticoide und Sexualhormone.

Hervorzuheben ist das Hormon Cortisol, dass der Stressbewältigung dient. Es wirkt auf den Kohlenhydrat-, den Fett- und Eiweißstoffwechsel. Letztendlich ist die Ausschüttung von Cortisol dafür gedacht, eine Stresssituation zu überwinden indem Energie freigesetzt wird. Außerdem hat das Hormon anti-entzündliche Effekte und unterdrückt eine überschießende Immunreaktion.

Solange die Nebennieren nicht permanent aktiviert werden ist die Ausschüttung kein Problem. Bei chronischem Stress und permanenter Dauerausschüttung von Stresshormonen (wie durch übermäßigen Kaffeekonsum noch gefördert) ermüdet irgendwann die Nebenniere. Die Stressantwort bleibt aus. Man spricht dann von Nebennierenschwäche (andere Begriffe: Adrenal Fatique, Burnout) einem ernst zunehmenden Zustand.

Ein übermäßige Ausschüttung an Stresshormonen kann auf Dauer zu Erschöpfungszuständen und Müdigkeit führen. Dazu passt, dass viele Kaffeetrinker berichten, dass sie ihre Kaffeedosis im Laufe der Jahre erhöht haben. Offensichtlich lässt die belebende Wirkung von Koffein mit der Zeit nach. Die Folge ist eine erneute Erhöhung der Tagesdosis. Bei manchen Menschen können so langfristig Erschöpfungszustände begünstigt werden. Denn wichtig zu verstehen ist:

„Koffein bringt keine Energie, es mobilisiert körpereigene Energiereserven!“

Wenn also die Tankanzeige bereits deutlich im Keller ist, wie z.B. beim Burnout-Syndrom dann wird der Tank durch Kaffee nicht aufgefüllt, sondern sogar noch weiter entleert! Die Nebennieren werden immer weiter stimuliert, bis vielleicht irgendwann gar nichts mehr geht.

Kaffeebohnenöl

Kaffee enthält bei bestimmter Zubereitung gewisse Mengen an Kaffeebohnenöl. Es ist als Emulsion Bestandteil der Crema z.B. bei italienischen Espresso. In einigen Studien wird den Bestandteilen Cafestol und Kahweol eine Wechselwirkung mit Gesamt- und LDL Cholesterinwerten im Körper nachgesagt. Hier spielt die Art der Zubereitung eine wesentliche Rolle. Während Skandinavischer Kaffee, Türkischer Kaffee, italienischer Espresso oder Französicher Kaffee (French press) relativ hohe Werte an Cafestol und Kahweol liefert (6-12 mg/ Tasse), findet man bei Filterkaffee und Instantkaffee relativ niedrige Mengen an diesen Substanzen (0,2-0,6 mg/ Tasse).
Somit ist festzuhalten, dass Kaffee Einfluss auf unseren Lipoproteinstoffwechsel nimmt. Inwieweit jedoch, dadurch bestimmte gesundheitliche Risiken zu erwarten sind, kann man nicht direkt beantworten.

Auf der anderen Seite konnten Forscher aus der Schweiz in einer Studie (Quelle) zeigen, dass die beiden Kaffee-spezifischen Stoffe Cafestol und Kahweol möglicherweise einen antikarzinogenen (krebshemmenden) Effekt haben können.

Mikronährstoffe

In Kaffee finden sich viele Mikronährstoffe wie z.B. Magnesium, Kalium, Vitamin B3, und Vitamin E. Eine Tasse Kaffee liefert so 1-5% des Tagesbedarfs an Magnesium. 1-2% des täglichen Kaliumbedarfs, immerhin 6-18% des täglichen Vitamin B3 Bedarfs und 0,1% des täglichen Vitamin E Bedarfs eines durchschnittlichen Erwachsenen.

Antioxidantien

Kaffee liefert eine Reihe phenolartiger Substanzen. Diesen Substanzen wurde in einigen Studien nachgewiesen, dass sie gegen chronische Erkrankungen wirksam sein können bzw. diesen Erkrankungen vorbeugen können. Polyphenole werden heute als Stoffe mit einem erhöhten antioxidativen Potential aus der Ernährung anerkannt.
Kaffee gilt dabei als sehr gute Quelle von Polyphenolen. Ein Deziliter Kaffee enthält 200 Milligramm Polyphenole. Forscher vermuten, dass Polyphenole die Zellen der Gefäßwände stärken, so dass sie hohem Blutdruck besser widerstehen können.

Studien zum Thema Kaffeekonsum und Gesundheit

Die Wissenschaft untersucht schon länger die Effekte von Kaffee auf die Gesundheit. Hier einige Ergebnisse im Überblick:

Diabetes Typ 2

Einige Studien aus Holland, den USA, Finnland und Schweden zeigen ein um 50% vermindertes Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken, wenn der Kaffeekonsum bei 7 Tassen pro Tag liegt. Hierbei handelte es sich meist um prospektive Langzeitstudien.
Andere Studien zeigen Kaffee vermindert die Insulinsensitivität unserer Zellen, was langfristig einen Diabetes eher begünstigen könnte. Die Studienlage ist also nicht eindeutig.

Parkinson

Einige epidemiologische Studien zeigen ein vermindertes Risiko an Parkinson zu erkranken, wenn Menschen und hier besonders Männer, die meisten Jahre ihres Lebens Kaffee getrunken haben. Hier ist die Datenlage jedoch noch nicht stabil genug, so dass eine eindeutige Aussage verfrüht wäre.

Lebererkrankungen

Es gibt Hinweise, dass Kaffeetrinker ein vermindertes Risiko haben erhöhte Leberwerte zu entwickeln. Zudem können Menschen die bereits an einer Lebererkrankung leiden ihr Risiko auch daran zu sterben mit jeder Tasse Kaffee vermindern.

Krebs

Kaffeekonsum und die Gefahr Krebs zu entwickeln stehen in keinem eindeutigen Zusammenhang. Allerdings zeigen sich in Kombination mit Rauchen in Beobachtungsstudien eine erhöhte Gefahr Krebs zu entwickeln.

Herz-Kreislauferkrankungen

In einigen Studien wird ein möglicher Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und resultierendem Bluthochdruck aufgezeigt. Der Blutdruck ist jedoch nur zeitweise erhöht und es konnte sogar bei Bluthochdruck- Patienten nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass der Kaffeekonsum den Blutdruck nachhaltig erhöht. Neuere Studien zeigen, dass es entgegen der Volksmeinung wohl keinen negativen Effekt von moderatem Kaffeegenuss auf Beschwerden wie Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche gibt.

Fazit:

Insgesamt ist das Ergebnis der Wissenschaft heute, dass Kaffee trinken, wenn er moderat betrieben wird, dass heißt 3-4 Tassen/ Tag nicht überschritten werden, keine negativen Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat. Im Gegenteil er bringt oftmals sogar gesundheitsfördernde Eigenschaften mit sich.

Quellen:
Coffee and Health: A Review of Recent Human Research https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/10408390500400009
The impact of coffee on health https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378512213000479

Sollte Kaffee nun Teil der Paleo Diät sein?

Was lässt sich also in Hinblick auf die Paleo Diät resümieren?

Aus meiner Sicht ist und bleibt Kaffeegenuss ein zweiseitiges Schwert. In der Paleo Diät geht es ja bekanntlich darum wieder mehr natürliche Nahrungsmittel zu essen, die eine hohe Nährstoffdichte aufweisen. Kaffee ist in seiner ursprünglichen Form zunächst einmal nicht genießbar bzw. muss veredelt werden. Dieses Argument wird bei Hardlinern bereits ausreichen, um Kaffee nicht als paleo zu deklarieren. Zudem ist die Nährstoffdichte verhältnismäßig gering.
Auf der anderen Seite gibt es in der modernen Paleoküche weitere Lebensmittel, die auf die eine oder andere Art und Weise verarbeitet wurden. Kaffee zählt letztendlich noch zu den „reineren“ Produkten.

Betrachtet man die möglichen gesundheitsfördernden Effekte der Studien, ist Kaffee im Kontext von paleo durchaus interessant, da ein wesentliches Ziel der Paleo Diät ist seinen Körper gesund und vital zu erhalten. Das erklärt wohl auch die hohe Akzeptanz.

Viele Paleo Diätler trinken gerne und regelmäßig ihren Kaffee und modifizieren ihn entsprechend. Der „Bullet-Proof Coffee“ kurz BPC, ein Kaffee mit Butter und/oder Kokosfett, ist in der Szene ein beliebtes Getränk.
Er ersetzt bei vielen Menschen eine ganze Mahlzeit, da er sehr viel Energie frei setzt und zudem auch etwas sättigt. Fett ist ja in der Paleo Ernährung gern gesehen, allerdings beinhaltet der BPC nur sehr wenig Nährstoffe und viele „leere“ Kalorien, die in keinem Fall eine hochwertige Paleo Mahlzeit ersetzen können.

Ich selber habe schon länger ein gespaltenes Verhältnis zu Kaffee und auch zum BPC. Mein Körper scheint mit viel Koffein nicht besonders gut klar zu kommen. Nervosität, Unruhe und Herzklopfen sind nach einem starkem Kaffee oftmals die Folge.

Deshalb habe ich schon vor längerer Zeit entschlossen Kaffee nicht mehr täglich zu trinken. Ich betrachte Kaffee heute eher als Genussmittel, das ähnlich wie Alkohol oder Schokolade nicht zu oft auf meiner „Food Agenda“ steht. Der BPC hat bei mir zwar auch den gewünschten Effekt erzielt, allerdings habe ich so insgesamt zu wenig „wertvolle“ Kalorien aufgenommen.

Zudem habe ich festgestellt, dass ich genauso ohne Kaffee am morgen wach werde und leistungsfähig bin. Dieser Prozess hat allerdings einige Wochen gedauert. Ein morgendliches Streching, die kalte Dusche oder ein großes Glas Wasser aktivieren mich morgens optimal.

Ein weiterer Aspekt ist der in freier Wildbahn immer wieder zu beobachtende Effekt der Abhängigkeit. „Ohne Kaffee geht morgens gar nicht“ sind Sprüche die ich schon sehr oft gehört habe. Die Frage ist, ob die Stimulierung von außen wirklich immer so vorteilhaft ist, denkt man nur an das weiter oben beschriebene Thema der Nebennieren und Nebennierenschwäche.

Drastisch formuliert kann Kaffee durchaus als eine weiche Droge betrachtet werden. Viele Menschen benötigen ihn, um überhaupt in Gang zu kommen oder nutzen ihn als „Energiebooster“ über den ganzen Tag. Ein hoher Konsum mit 10 Tassen und mehr überstrapaziert schlicht unsere Nebennieren und ist nicht als gesund zu bezeichnen.

Die Idee von Paleo ist nicht zuletzt mit sich, seinem Körper und der Umwelt in die Balance zu kommen. Menschen, die in ihrem Leben eine abgestimmte Ernährung, genug Schlaf, ein gutes Stressmanagement, genug Bewegung usw. vorweisen benötigen meist gar keine oder deutlich weniger Stimulanzien. Daher sollten exzessive Kaffeetrinker beginnen ihre Bedürfnisse in die Reihe zu bringen.

Abschließend möchte ich erwähnen, dass ich niemanden vorschreiben würde ob und wie er seinen Kaffee trinkt. Allerdings hoffe ich mit diesem Artikel etwas Input geliefert zu haben, wenn es darum geht sich kritisch mit dem eigenen Verhalten zu beschäftigen.

Welche Einstellung hast du zu Kaffee und wie viel Kaffee trinkst du pro Tag/Woche/Monat? Schreibe doch deinen Kaffeekonsum in die Kommentare!

Vitale Grüße
Unterschrift Christian
Christian Kollitsch
Physiotherapeut, Ernährungscoach, Jäger & Sammler

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