Missverständnis Paleo Diät: Offene Kritik und Hoffnung für den Paleo Lifestyle

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Die Paleo Idee auf dem Prüfstand

Ist die Paleo Diät wirklich das Nonplusultra? Diese Frage umtreibt mich schon eine ganze Weile. Der Grund sind weniger die tollen Erfahrungen, die Menschen mit der Paleo Ernährung machen, als vielmehr die Frage, was da eigentlich wirklich vor sich geht. Meine Beobachtung ist, dass viele Menschen Paleo unterschiedlich auslegen, zum Teil wird der klassische Ansatz von L. Cordain deutlich abgewandelt. Ich zähle mich übrigens ebenfalls zu dieser Gruppe! Ich habe mich gefragt warum das passiert und warum es trotzdem funktioniert?

Mit Betrachtung auf meine eigene Geschichte, stellen sich da weitere noch tiefergehende Fragen. Was treibt mich an die Paleo Diät zu machen? Worauf kommt es im Leben eigentlich wirklich an?

An dieser Stelle möchte ich kurz, aber treffend auf meine Transformation der letzten Jahre eingehen und erläutern, warum sich mein Bild von Gesundheit immer wieder wandelt.

In meinem allerersten Blog Artikel beschreibe ich meine ersten Schritte mit dem Prinzip Paleo und gehe meiner Motivation auf den Grund. An dieser Stelle zitiere ich mich jetzt einmal selber:

“Ich habe großes Interesse, allein schon von Berufswegen, an der Physiologie des Menschen (also der Wissenschaft, die sich mit den Lebensvorgängen, den funktionellen Vorgängen im menschlichen Organismus befasst), beschäftige mich aber auch mit Psychologie und Philosophie. Bewegung als Mittel in der
Physiotherapie ist meine Kernkompetenz. Für diese bin ich schon immer zu begeistern. Ich verstehe aber auch, dass weitere Themen, wie Ernährung, Entspannung und psychosoziale Faktoren (z.B. der emotionale Zustand oder das Umfeld) weitere entscheidende Gesichtspunkte für unsere Gesundheit sind. Ganz klar, Gesundheit ist ein komplexes und mehrdimensionales Phänomen.
In meiner täglichen Arbeit als Physiotherapeut wird mir immer wieder deutlich gemacht, dass wenn wir in der Behandlung, der Beratung oder dem Coaching nur das Symptom in Angriff nehmen, das Ergebnis oft nur ausreichend oder sogar überhaupt nicht erreicht wird. Und schon gar nicht, wenn der Betroffene unmotiviert oder ziellos ist. Umso wichtiger wurde die Erkenntnis, dass Menschen in Aktion geraten wenn sich ihre Ziele und die dahinter liegenden Motive mit der jeweiligen Situation abstimmen lassen. Die Frage nach dem warum oder wozu zu klären, die ja auch mich beschäftigte, war und ist in vielen Therapie- und Lebenssituationen der Schlüssel zum Erfolg. Nur so entsteht eine zielführende Handlung, die zu einem Ergebnis führt.”

Es geht also zunächst einmal darum seine eigenen Ziele und Motive im Leben zu kennen. Auch oder gerade beim Thema Gesundheit bzw. der Pflege und Wiederherstellung ist diese Thematik entscheidend.

Deshalb möchte ich dich an dieser Stelle fragen:

”Kennst du deine Wünsche und die daraus resultierenden Ziele im Leben?”

Ich stelle diese Frage, nicht um dich zu provozieren, sondern weil ich möchte, dass du dich selber einmal reflektierst. Ich erlebe die Paleo Gemeinschaft wie schon erwähnt als sehr heterogen. Ich habe in den letzten Jahren Menschen getroffen, die Paleo machen, weil es gerade hipp ist. Ich habe zudem Menschen getroffen, welche die Paleo Philosophie verstehen und praktisch zu einhundert Prozent anwenden.
Wieder andere Menschen machen Paleo, weil sie es ihrer Überzeugung nach “müssen” um gesund zu werden oder zu bleiben und wieder andere Paleoaner machen ihre eigenen Erfahrungen und sind deutlich flexibler in ihrer Auslegung auf die Paleo Diät. Ich finde mich ebenfalls in dieser Auswahl wieder. Seit einiger Zeit gibt es bei mir immer wieder Veränderungen in der Auslegung meiner Paleo Idee. Ich sage es ganz offen nach Jahren mit der Paleo Ernährung: Ich lebe nicht mehr zu 100% nach der Paleo Diät (nach L.Cordain)

Paleo wird Mainstream

Um mich der Antwort auf meine Eingangsfrage zu nähern, muss ich noch weiter ausholen. Ich erlebe in der Paleo Gemeinschaft so etwas, dass man wie einen Mainstream bezeichnen kann.

Laut englischer Übersetzung bedeutet Mainstream „Hauptstrom“ und meint sowas wie Massengeschmack. Mit der Entscheidung zu Paleo, wendet man sich ja, so scheint es zumindest, von der Masse erst einmal ab.

Mit Betrachtung der Paleoaner, also uns als Gruppe, stelle ich aber fest, dass es auch in dieser Gruppe einen Mainstream gibt.

Aber ist es nicht genau, das was WIR nicht sein wollen? Wir wollen nicht wie Lemminge uns von der Lebensmittelindustrie oder Pharmaindustrie lenken und fremd bestimmen lassen. Diesen Schritt zu machen, war schon nicht einfach, oder? Allerdings ist eben nur der erste Schritt und die Arbeit damit nicht getan. Auf dem Weg zum Ziel und zur Verwirklichung deiner Träume müssen weitere Schritte folgen. Man kann auch von Stadien sprechen, die erreicht werden. Dafür müssen wir zunächst sicherstellen, dass wir unsere Bedürfnisse befriedigen, bevor wir schlussendlich auf dem Gipfel ankommen. Allerdings wandelt sich der Stellenwert zum Beispiel der physiologischen Bedürfnisse (zum Beispiel die Ernährung) mit zunehmendem Wachstum der Persönlichkeit. Das ist kein Freifahrtschein für ungesundes Essen, bringt das ganze aber in ein passendes Verhältnis.

Der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow (1908–1970) bringt die dynamische Darstellung der Bedürfnisse und die damit verbundene Entwicklung auf den Punkt:

die dynamische Darstellung der Bedürfnisse

Abraham Maslow (1908–1970)

„Der Mensch ist von Natur aus eher gut und möchte wachsen“ Abraham Maslow

Die Paleo Diät (per Definition nach Loren Cordain), wie sie von den meisten verstanden wird, ist nichts anderes als ein Regelwerk. Mit anderen Worten also einfach eine “neue” Anleitung für unser Leben. Das Ergebnis ist Gesundheit und eine schöne Figur, so heißt es. Im Grunde ist das nichts anderes als ein Versprechen, Ausgang offen…

Blindes Gehorsam

Dem Mainstream zu folgen bedeutet, sich Autoritäten unterzuordnen und das eigenen Handeln NICHT zu hinterfragen. Es bedeutet unterzutauchen und ist geprägt von weniger Selbstbewusstsein und Selbstbehauptung im Leben.

Um jetzt die Kurve hier zu kriegen, stelle ich dir jetzt eines der weltbekanntesten Experimente der Psychologie Geschichte vor. Der Psychologe Stanley Milgram (Quelle) machte im „Milgram-Experiment“ folgendes:

Ein Experimentleiter (Autorität) im weißen Kittel ordnet zwei Freiwilligen einmal die Rolle des Lehrers, der anderen Person die Rolle des Schülers zu. Der Schüler wird auf einem Stuhl festgebunden und muss sich Wortpaare merken, die dann vom Lehrer abgefragt werden. Antwortet der Schüler falsch wird ihm der Lehrer einen leichten elektrischen Schlag versetzen. Bei einem Folgefehler erhöht sich die Voltzahl und der Schüler leidet zum Ende des Experiments immer mehr an Schmerzen, während der Lehrer zusieht.

Der Lehrer befindet sich also in einem Spannungsfeld zwischen Abbrechen des Experimentes zwecks Mitleid oder Weitermachen zwecks Anweisung durch den Experimentleiter.
Das Ergebnis: Lehrer brechen das Experiment nur sehr selten ab. Die meisten folgen den Anweisungen des Leiters und versetzen den Schülern immer stärkere Stromstöße, selbst wenn der Schüler bereits leidet und aussteigen will. Die Autorität gewinnt also gegen die eigene Moral.

Zwar beschreiben die Probanden das Experiment alle als grausam und sinnlos, übernehmen aber gleichzeitig auch keine Verantwortung, sondern übertragen die moralische Verantwortung auf den Leiter.

Laut Stanley Milgram ist dieses menschliche Verhalten gegenüber Autoritäten aus reinen Überlebensgründen bei uns so stark ausgebildet.
Schon immer gibt es Anführer, Fußtruppen und hierarchisch aufgebaute Systeme, die eine Gemeinschaft erfolgreich macht. Der natürliche Antrieb, anderen nicht weh tun zu wollen, wird dramatisch verändert, wenn jemand in eine Hierarchie eingegliedert wird. Wir Menschen lernen von klein auf Autoritäten zu gehorchen. Was wir nicht lernen ist, wie wir uns gegenüber einer moralisch verwerflichen Autorität verhalten können. Zumindest fällt uns dieser Teil oftmals deutlich schwerer.

Wir wollen doch alle nur eins…

ein gesundes, glückliches Leben führen. Nach Jahren der eigenen Praxis, Beobachtung der Paleo Szene und offenen Herangehensweise an das Thema hat sich mein Blick auf die Paleo Diät verändert.

Für die allermeisten von uns gibt es einen Auslöser ihr Leben ändern zu wollen. Aus vielen Gesprächen und Erfahrungsberichten erfahre ich, was die individuellen Motive für die Paleo Ernährung sind. Entweder besteht ein gesundheitliches Problem oder eine Unzufriedenheit im Leben. Mit anderen Worten heißt das, das innere Gleichgewicht, die Homöostase ist gestört

Mit Hilfe der Paleo Diät soll dieses Gleichgewicht jetzt wieder zurück in die Balance gebracht werden. Das kann bedeuten, den Körper mit den richtigen Nährstoffen zu versorgen, den Darm zu “reparieren” oder einfach neue, leckere und bekömmliche Gerichte zu entdecken.

Keine Frage, ein Nährstoffmangel muss langfristig ausgeglichen werden, die Belastung mit Anti-Nährstoffen idealerweise nicht zu hoch sein und schmecken muss das Essen natürlich ebenfalls. Die Frage, die ich mir aber seit längerem Stelle ist, was macht am Ende den eigentlichen Unterschied aus? Was wenn die bestehenden Symptome nur die Spitze des Eisberges sind?

“Was ist der gemeinsame Nenner bei den Erfolgen durch die Paleo Ernährung?”

Heilung findet in Entspannung statt

Ich habe noch keine finale Antwort auf diese Frage. Meine Beobachtung ist allerdings, dass Menschen, die sich zu sehr stressen oder gestresst fühlen (z.B. durch eine über-akkurate Paleo Diät) nicht erfolgreich sind. Genauso werden Menschen, die ihre Wünsche und Ziele im Leben nicht erkennen und umsetzen irgendwann scheitern im Leben (auch mit Paleo Diät).

Es gilt also zunächst einmal die übergreifende Idee sich allgemein zu entspannen. Nur so ist Heilung überhaupt möglich! Heilung geschieht als physiologisch “Entspannungs-Antwort”. Die Wiederherstellung von Körpergewebe, der Aufbau von Energiereserven, also Regeneration geschieht genau dann wir zur Ruhe kommen. Biologisch ausgedrückt bedeutet dass, sobald unser Zentralnervensystem vom Parasympathikus gesteuert wird, dem „Ruhenerv“, befinden wir uns in diesem Zustand.

Die eigentlich so simple Tatsache ist leider in der Aufregung um viele andere Gesundheitsthemen in Vergessenheit geraten. Für viele Menschen ist es“normal“ geworden den Alltag im Stress, in Eile, überarbeitet, voller Sorgen, ängstlich und selbstkritisch zu managen. Auch in der Paleo Szene erlebe ich dieses Phänomen, gerade bei Menschen welche die ersten Erfolge mit der Paleo Diät gemacht haben (zum Beispiel durch unsere Paleo Diät Challenge) , dann aber mittelfristig durch Druck aus der “Vergleichsgruppe” aus der Bahn geraten.

Wenn wir im Stress sind, dann wird das Zentralnervensystem vom Gegenspieler des Parasympathikus, dem Sympathikus gesteuert. Das ist unser “Kampf oder Flucht-Nerv”, welcher eine vorübergehende Leistungssteigerung des Organismus mit außergewöhnlichen Anstrengungen bewirkt.

Zentralnervensystem

Um gesünder und damit auch glücklicher zu werden, brauchen wir aber eine Balance zwischen beiden Polen!

„Wer es schafft in den Ruhemodus zu wechseln, also die Stress-Homöostase wiederherzustellen, wird auch an sein Ziel kommen. Bleibt dieser Erfolg aus, werden wir trotz Paleo Ernährung, langfristig nicht gesünder sein. Die Paleo Ernährung ist dann lediglich Benzin für die Kampf oder Flucht Reaktion.“ Christian Kollitsch – Paleo Coach

p

Was sind deine Ziele im Leben?

Jeder Mensch hat eigene Träume, eigene Visionen und übergeordnete Ziele die er für erstrebenswert hält in seinem Leben. Am besten du nimmst dir ein eine halbe Stunde Zeit und gehst einmal in dich. Fang an zu träumen und schreibe alles was da kommt, direkt auf. Stell dir doch einmal die folgenden Fragen:

  • Was wünsche ich mir für mein Leben?
  • Was treibt mich im Leben an?
  • Was will ich meinen Enkelkindern erzählen?
  • Warum mache ich die Paleo Diät?

Oft machen wir unser Seelenheil oder unser Glück von anderen Personen abhängig. Bei der eigenen Zielformulierung vermeiden wir das, da sonst Enttäuschungen vorprogrammiert sind. Viel Erfolg!

Für Unterstützung in deinem Zielfindungsprozess und Coaching stehe ich mich dir gerne zur Verfügung! Schreib mir einfach unter christian@prinzippaleo.de eine Email. Wir schauen dann wie ich dir helfen kann!

Fazit- Paleo 2.0: Offene Kritik und Hoffnung für die Paleo Idee

Ich denke es wurde deutlich, was mich in den letzten Monaten umtrieben hat. Aktuell ist ein abschließendes Fazit noch nicht möglich.
Ich resümiere aber aus über 7 Jahren Paleo Lifestyle, dass ich mich in einer neuen Komfort-Zone wieder gefunden habe. Das Regelwerk der Paleo Diät ist stimmig, im Grunde aber nur eine neue von außen kommende Kraft. Ich stelle nicht natürliche Nahrungsmittel in Frage, ich stelle die Art und Weise wie viele Menschen Paleo tatsächlich ausleben in Frage.

Die Paleo Ernährung macht Sinn und ist an vielen Stellen schlüssig. Sie hat mir geholfen, meinen Heuschnupfen zu überwinden. Genauso durfte ich aber lernen, dass es nicht DIE Paleo Diät gibt.

Die Betrachtung des Kontext, also die Anpassung an die Lebensumstände, der Raum für die eigene Interpretation ist mir heute in meiner Arbeit mit Kunden und bei mir selber noch wichtiger geworden, wenn es um langfristige Gesundheit geht. Wer seine Ziele und Visionen kennt, wird überdies den Weg finden und den Ausgang der eigenen Geschichte selbst bestimmen.

Ernährung sollte kein Dogma sein oder eine Ersatzreligion werden. Auf der anderen Seite ist der Satz: “Du bist, was du isst” ebenfalls wahr und richtig.
Wenn wir akzeptieren, wer wir sind, unsere Bedürfnisse erkennen und Ziele im Leben haben, ist Gesundheit ein greifbarer Zustand.

Am Ende ist Paleo für mich mehr als gesunde Ernährung, Bewegung und Regeneration. Es ist die Entscheidung bewusst, selbstverantwortlich, glücklich und im Einklang mit der Natur zu leben.

UND JETZT KOMMT MEINE BITTE:

Teile diesen Artikel in deinem Netzwerk, kommentiere in kritisch und erzähl mir von deinen Erfahrungen. Nur über eine offene Kommunikation bringen wir den Paleo Lifestyle auf die nächste Stufe!

Vitale Grüße
Unterschrift Christian
Christian Kollitsch
Physiotherapeut, Ernährungscoach, Jäger & Sammler
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