Die Stille Gesundheitsgefahr – Niedriggradige Entzündungen

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Stille Entzündungen sind hausgemacht

Normalerweise sind Entzündungen nichts Bedrohliches, im Gegenteil. Sie sind sogar überlebenswichtig. Bei einer akuten Entzündung des Körpers, nach einer Verletzung oder Wundinfektion, versucht der Körper so zu heilen. Mit Hilfe der Entzündung will sich unser Körper gegen fremde Eindringlinge wie Viren und Bakterien verteidigen und beschädigtes Gewebe zu reparieren.

Entzündungsvorgänge sind zentraler Bestandteil des angeborenen (unspezifischen) Immunsystems. Bei einer Entzündung kommt es zu einer Reaktion
mit erhöhten Blutfluss, Gefäßerweiterung, Antransport von weißen Blutkörperchen und der Ausschüttung von Entzündungsmediatoren. Diese “Notfall-Signale” dienen uns dazu Giftstoffe auszuschwemmen und die Reparatur von beschädigtem Gewebe zu gewährleisten. Nach einer Schnittwunde an einem rostigen Nagel, einem infizierten eingewachsenen Nagel, einem verstauchten Knöchel, einer akuten Bronchitis, einer Mandelentzündung usw., ist dieser Vorgang von Nöten.

Anders die niedriggradige Entzündung. Sie ist eher wie ein Schwelbrand im Körper, der sich nicht zu einer heißen Entzündung entwickelt und so dauerhaft das Immunsystem beschäftigt. Diverse Zivilisationskrankheiten werden mit einer stillen Entzündung in Zusammenhang gebracht, wobei oftmals Wechselwirkungen bestehen zwischen der Erkrankung und den Entzündungsmerkmalen. Ein chronischer, wenn man so will “minderwertiger” Entzündungszustand ist ein pathologisches Merkmal
bei einer breiten Palette von chronischen Erkrankungen, wie z.B. beim metabolischen
Syndrom, einer nichtalkoholischen Fettleber (NAFL), beim Typ 2 Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf Erkrankungen.
Chronische Entzündungen sind im Gegensatz zu akuten Entzündungen langfristig und treten unter bestimmten “Bedingungen” auf. Besteht eine stille Entzündung über lange Zeit, kann sie den Weg für eine ganze Reihe von Erkrankungen ebnen bzw. chronische Erkrankungen unterhalten und verstärken.

Beispiele dafür Erkrankungen wie:

  • Depressive Verstimmungen und Schlafstörungen
  • Metabolisches Syndrom
  • Adipositas
  • Typ-2-Diabetes
  • Osteoarthritis
  • Multiple Sklerose
  • Lupus
  • Rheumatoide Arthritis
  • Allergien
  • Asthma
  • Morbus Crohn
  • Arteriosklerose
  • Chronische Schmerzen (Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen)
  • Nicht-alkoholische Fettleber (NAFL)
  • Multiple Sklerose
  • Tumorerkrankungen
  • u.a.

Gewohnheits- oder Umweltfaktoren wie ein erhöhter Bauchfettanteil, schlechte Ernährung, Bewegungsmangel, Stress, Rauchen, Umweltverschmutzung, schlechte Mundgesundheit und übermäßiger Alkoholkonsum sind Faktoren, die zu einer chronischen Entzündung führen können.

Stille Entzündung durch Eindringlinge im Darm

Der Darm ist das Tor in unseren Körper. Mit der Nahrung, aber auch über die Umwelt, nehmen wir täglich diverse Mikroorganismen auf. Dazu zählen auch gram-negative Bakterien. Es gibt gramnegative Bakterien, die zur normalen Darmflora (Mikrobiom) gehören, wie z.B. die meisten Bakterien der Gattung Enterobacter. Andere gramnegative Bakterien lösen Infektionen aus. Lungenentzündung, Hirnhautentzündung und Sepsis sind akute Entzündungsvorgänge bei einer hohen Belastung einzelner Organe mit bestimmten gram-negativen Bakterien. Ebenso werden viele Krankenhauskeime dazu gezählt.

Als Hauptursache einer stillen Entzündung werden zunehmend bakterielle Lipopolysaccharide (LPS), die über einen “undichten” Darm (Leaky Gut) ständig in den Blutkreislauf eindringen und dabei die Entzündungsfaktoren im Körper hochregulieren, vermutet. LPS ist Bestandteil der Zellwand von gram-negativen Bakterien. Hinter der Darmwand befinden sich 80% unserer Immunzellen. Kommen diese verstärkt mit diesen Eindringlingen in Kontakt brennt es still und leise in unserem Körper.

Die bunte Vielfalt an Darmbakterien mit der wir durch die Welt spazieren, ist für unsere Gesundheit sehr wichtig. Allerdings sterben Bakterien genau wie andere Lebewesen irgendwann. Das “Problem” ist, dass beim Absterben dieser Bakterien toxische Reaktion beim Wirt ausgelöst werden. Finden diese kontrolliert im Darm statt, ist das kein Problem. Gelangen die frei werdenden Endotoxine jedoch durch den Darm in den Blutkreislauf wird es kritisch. Ein Leaky Gut Syndrom rückt heute im Zusammenhang mit einer stillen Entzündung immer mehr in den Fokus der Forschung (Quelle).

Ist LPS erst einmal in den Blutkreislauf übergetreten, spricht man auch von einer “Bakterienvergiftung” (Endotoxinämie). Erhöhte Endotoxin Werte im Blut führt zu einer pro-inflammatorische Antwort des Immunsystems. Die Eindringlinge müssen bekämpft und beseitigt werden. Bei einer andauernden LPS-Belastung kann eine chronische, niedriggradige Entzündung, die langfristig das Gewebe schädigt und Stoffwechselprozesse verändert, die Folge sein.

Auslöser für ein erhöhtes Vorkommen an LPS im Blutkreislauf sind neben einem undichten Darm auch Ernährungsaspekte. Ein übermäßiger Fleischkonsum, besonders von verarbeiteten Waren wie Würstchen oder Burgern, ist neben dem Konsum von Fertiggerichten an erster Stelle zu nennen. Gemüse und Obstkonsum sind hingegen kein Problem laut einer Studie. Allerdings gilt das wohl nur für frisches Obst und Gemüse. Frische, ganze, unverarbeitete Lebensmittel enthalten nicht nachweisbare Mengen an schädlichen Bakterien. Offenbar kann auch Gemüse beim Herstellungs-, Verarbeitungs- und Kühlprozess, insbesondere beim Hacken und Zerkleinern kontaminiert werden. Auch eine andere Studie legt nahe, dass Lebensmittel, die absolut frisch sind, einschließlich jeder Art von Fleisch, Obst oder Gemüse, nicht nachweisbare Mengen an schädlichen Bakterien und Keimen enthalten. Nach der Feinzerkleinerung, insbesondere beim Hacken, steigt der dieser Gehalt jedoch Tag für Tag rapide an, auch wenn er bei Kühltemperatur gelagert wird.

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Information

Im Labor kann die erhöhte Konzentrationen der Antikörper gegen LPS im Serum gemessen werden. Außerdem können Entzündungsmarker und weitere Werte das Bild vervollständigen. Aufschlussreich sind diese Werte:

  • hochsensitives CRP (C-Reaktives Protein)
  • LPS Gehalt im Serum/ Antikörper
  • Marker sCD14
  • Zytokin Status
  • Omega-3/6 Ratio
  • Kynurenin
  • Tryptophan
  • IDO-Aktivität (Kynurenin/Tryptophan-Ratio)

Quellen:
Ganz immun Diagnostics AG
Institut für Mikroökologie

Aus diesem Grund, ist neben der Qualität bei Fleischprodukten, ein übermäßiger Verzehr von verarbeitetem Fleisch auch in der Paleo Diät nicht zu empfehlen. Hackfleisch sollte immer relativ frisch gekauft werden. Weizen zählt übrigens laut dieser Studie auch zu den problematischen Nahrungsmitteln, genauso wie Käse und Schokolade. Außer LPS können auch hoher Zuckerkonsum, Allergene, Umweltgifte, stark erhöhtes Bauchfett und chronischer Stress eine stille Entzündung auslösen.

Entzündungshemmende Nahrungsmittel mit vielen Antioxidantien aus frischem Obst und Gemüse, Omega-3 Fettsäuren aus Fisch oder Krillöl und der moderate Konsum von hochwertigem Bio-Fleisch schützen den Körper vor möglichen Schäden durch stille Entzündungen bzw. helfen dabei diese erst gar nicht entstehen zu lassen.

Für weitere Fragen zum Thema schreib mir gerne in den Kommentaren!

Vitale Grüße
Unterschrift Christian
Christian Kollitsch
Physiotherapeut, Ernährungscoach, Jäger & Sammler
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2 Kommentare

  1. Isabell

    Toller Beitrag! Wo spielt da Histamin eine Rolle? Bzw. Gibt es da einen Zusammenhang?

    Antworten
  2. Christian Kollitsch

    Hi Isabell,
    Histamin ist normalerweise ein ganz natürlicher, körpereigener Stoff. Histamin erfüllt im Körper sinnvolle Aufgaben und ist besonders für unsere Immunabwehr wichtig. Als „Entzündungsbotenstoff“ wird es hauptsächlich in den Mastzellen gespeichert. Diese Mastzellen, die Teil des Immunsystems sind, schütten bei „Feindkontakt“ den Botenstoff Histamin aus und versetzen den Körper in Alarmbereitschaft. Nach der Freisetzung zirkuliert es dann im Blut und muss abgebaut werden.

    Histamin nimmt seinerseits Einfluss auf die LPS-induzierte Produktion von Prostaglandinen und Interleukin-6 (IL-6). Es entsteht eine Synergie zwischen Histamin und LPS, welche auf die histamininduzierte Expression des Toll-like Rezeptors 4 (TLR4) zurückgeführt wird. Das bedeutet wir haben es bei dauerhafter Histaminausschüttung mit einer pro-inflamatorischen Situation zu tun.

    Wir nehmen Histamin auch über die Nahrung auf. Die Darmdurchlässigkeit ist wahrscheinlich ein wesentlicher Faktor, der mitbestimmt, wie viel Histamin in den Körper über die Nahrung aufgenommen wird. Störungen im Mikrobiom führen ebenfalls dazu, dass sich ungünstige Bakterienarten ausbreiten, die besonders viel Histamin produzieren. Es gibt also eine Art Wechselwirkung zwischen den Entzündungsvorgängen, die ihre gemeinsame Ursache im Darm haben. Hilf dir die Antwort weiter?

    Antworten

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