Von Vegan zu Paleo – Erfahrungsbericht von Ann-Kathrin

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Interview mit Ann-Kathrin über ihren Weg zur Paleo Ernährung

Hallo Ann-Kathrin, du hast eine spannende Geschichte mit der Paleo Ernährung. Als ursprüngliche Veganerin hast du deine Ernährung durch deinen kleinen Sohn auf Paleo umgestellt. Magst du mir das genauer erzählen?

Ja genau, schon in der Schwangerschaft mit meinem Sohn habe ich recht schnell gemerkt, dass ich kein Soja mehr vertrage und auch einige andere pflanzliche Eiweißquellen wie Linsen konnte ich kaum noch zu mir nehmen. Somit würde es schwer den durch die Schwangerschaft erhöhten Eiweißbedarf zu decken und mein kleines Ungeborenes wuchs zu langsam, sodass ich anfing Eier etwas Fisch und ganz wenig Fleisch aus biologischer Weidehaltung wieder auf den Speiseplan zu nehmen. Milch selbst kann ich mir absolut nicht vorstellen zu konsumieren, weil ich es als unnatürlich empfinde, Muttermilch eines anderen Säugetieres zu trinken und aus moralischen Gründen (in der Ethik lag auch die Ursache für meine veganes Ernährung) die Milchkuh-Haltung absolut verwerflich finde. Mir ging es immer besser und mein Ungeborener wuchs dann endlich prächtig und kam gesund mit 54cm und 3880 g auf die Welt.

Ann-Kathrin stieg mit Ihrer Familie von Veganer Ernährung auf Paleo um.

Ich fing langsam wieder an auf die vegane Ernährung zurück zu gehen, und als mein Sohn dann Zähne bekam, fiel bald ein Schmelzdefekt auf. Auf Grund einiger Recherchen bin ich da dann auf Getreide bzw Phytinsäure als Ursache gestoßen und habe es dann komplett vom Speiseplan gestrichen. Die Zähne wurden besser, aber wir ernährten uns in einen Eisenmangel und deshalb kam dann wieder Fleisch auf den Speiseplan. Mein Sohn, der von Anfang an frei und intuitiv essen durfte, verweigerte Getreide jeder Art fast immer und wollte immer nur Obst, Gemüse, Eier, Öle und Fleisch essen. Bei der Suche nach getreidefreien Rezepten bin ich auf den Begriff Paleo gestoßen und mit einem Schlag würde mir alles klar, das war die Lösung! In allen anderen Bereichen, gerade im Umgang mit Kindern, habe ich mich schon die ganze Zeit mit artgerechten und steinzeitlichen Ansätzen beschäftigt, mit Urvölkern auseinandergesetzt etc, Aber bei der Ernährung bin ich nicht auf diese Idee gekommen. Das war dann das letzte Puzzle Teil für unser naturnahes Steinzeit-Leben.

Wie waren deine ersten Schritte nach der Umstellung von veganer Ernährung auf Paleo? Was war schwer und was fiel dir leicht?

Meine ersten Schritte waren sehr zögerlich und die ersten Versuche immer nur eine langsame und etappenweise Umstellung, bei dem ich langsam “Altes” (z.B. Soja) ausgeschlichen und “Neues” (z.B. Eier) ergänzt habe. Das Weglassen von Lebensmitteln, die nicht paleo waren, fiel mir leicht, so sah ich doch was es bei meinem Sohn für Schäden anrichtete. Sehr schwer fiel es mir tierische Produkte aufzunehmen, weil ich die Massentierhaltung absolut nicht unterstützen will und nicht für diese Tierquälerei mit verantwortlich sein will. Produkte aus wirklich artgerechter Weidetierhaltung zu finden ist oft sehr schwer und machte mir die Umstellung schwierig.

Wo siehst du die größten Unterschiede zwischen veganer Diät und Paleo Diät? Wo siehst du Gemeinsamkeiten?

Auf den ersten Blick scheint es keine Gemeinsamkeiten zu haben und ich denke es kommt auch immer auf die Ursache an, warum man die jeweilige Ernährung wählt. Bei mir war es immer die Ethik, warum ich keine tierischen Produkte essen wollte und da liegt ironischerweise die Gemeinsamkeit zur Paleo Diät! Gerade hier wird so viel wert darauf gelegt, artgerechte Tierhaltung zu haben, weil bekannt ist, wie ungesund es sonst für den Mensch ist. Und auch hier in gesundheitlichen Aspekt, wo scheinbar der größte Widerspruch ist, liegt die nächste Gemeinsamkeit! Ich bin immer noch überzeugt davon, wie schön als Veganerin, dass Milch und Fleisch ungesund ist und uns und der Umwelt schadet, wenn es aus den üblichen Quellen kommt und bis zum Gehtnichtmehr verarbeitet ist. Bei Paleo wird das Fleisch aber in absoluter Bio-Qualität aus Weidetierhaltung genommen und keine mit vielen Zusatzstoffen verseuchte Billig-Wurst gegessen.
Der Unterschied liegt wohl in der Konsequenz, die man aus dem Wissen zieht, dass Massentierhaltung und die Produkte daraus dem Mensch und der Umwelt schaden. Für mich ist der richtige Weg wieder zurück zum Ursprung zu gehen, kaum verarbeitete Lebensmittel zu sich zunehmen und auf das Tierwohl zu achten. Und ein weiterer Unterschied ist eben der Umgang mit Getreide und Hülsenfrüchten, wo ich jetzt klar sagen muss, dass meine persönliche Gesundheit und die meines Kindes für mich Priorität hat und ich lieber ganz bewusst tierische Produkte esse, als uns mit einer unnatürlichen Ernährung (und das ist die vegane Ernährung nunmal, wie man z.B. am B12 sieht) in einen Mangel zu ernähren oder eben synthetische Produkte zuzuführen um Fehlendes zu supplementieren.

Was sind für dich die größten Herausforderungen im Alltag in Bezug auf die Ernährung? Welche Strategien hast du entwickelt für den Alltag?

Am Anfang war es eine große Schwierigkeit unterwegs schnell was zu essen und auch in Restaurants erfordert es immer etwas Vorbereitung etwas Paleo-Konformes zu finden. Die Strategie ist sehr einfach, ich gehe nicht mehr ohne eine Kleinigkeit zu essen aus dem Haus und habe in jeder Tasche etwas für den kleinen Hunger verstaut. Gerade mein Sohn bekommt immer unterwegs Hunger. Zu Beginn der Umstellung war auch hier die Schwierigkeit, dass er eben alles essen wollte, was andere aßen und ich musste echt kreativ Ersatzprodukte für ihn basteln (z.B. Brot und Kekse). Mittlerweile hat er die Ernährung mit seinen 2 Jahren so verinnerlicht, dass er jeden Keks und jedes Gummibärchen liegen lässt und z.B. an Sankt Martin aus dem Weckmann die Rosinen als einzig Essbares raus gesucht hat. Das bestätigt mich so ungemein in diesem Weg, da er noch nah an seinem Instinkt ist und alles verarbeitete und Getreide intuitiv meidet. Die einzige Herausforderung ist noch der Industriezucker, denn wenn ich oder er da doch mal wieder was von probiert, ist direkt wieder diese Abhängigkeit da und man will einfach mehr davon. Auch hier hilft es mir Ersatz-Schokolade selbst zu machen und eine gesunde Alternative zur Hand zu haben.

Was hat sich durch die Paleo Diät bei dir körperlich/ mental verändert?

Die Frage zu beantworten fällt mir schwer, da ich parallel zur endgültigen Umstellung noch ein anderes ganzheitliches Konzept mit Nahrungsergänzungsmitteln gestartet habe und die Erfolge sicherlich aus beiden Komponenten zusammen spielen und auch die mentale persönliche Entwicklung eine große Rolle spielt. Ich bin in den letzten Monaten einfach ein anderer Mensch geworden. Seit der Umstellung fühle ich mich einfach vitaler, ich bin ausgeschlafener und fitter und viel leistungsfähiger. Meine Verdauungsprobleme sind weg und meine Neurodermitis ist auch verschwunden. Bei meinem Sohn ist der Zahnschmelzdefekt quasi komplett zurückgegangen und hat sich sogar neu aufgebaut.
Uns geht es so gut wie nie, ich musste seit der endgültigen Umstellung keine Schmerztablette mehr nehmen und mein Sohn ist seine andauernde Schnupfnase los geworden und hat jeder Erkältungswelle getrotzt.

Was gehört für dich alles zu einem modernen Paleo Lifestyle?

Für mich gehört sehr viel zu einem modernen Paleo Lifestyle und wie eben kurz angesprochen auch die Einnahmen von Nahrungsergänzungsmitteln, da es hier meiner Meinung nach leider nicht möglich ist an ausreichend Obst und Gemüse zu kommen, was pestizidfrei und natürlich angebaut und dann erst vollreif geerntet ist. Aus diesem Grund ergänze ich hier mit eine natürlichen Präparat die Mikronährstoffe aus Obst, Gemüse und Beeren.

Weiter gehört für mich ein Verzicht bzw. die Reduktion anderer unnatürliche Dinge, wie fluoridierte Zahnpasta, chemische Medikamente bei jeder Kleinigkeit (nein ich verteufle nicht alle Medikamente, aber ich bin auch nicht dafür bei jedem Wehwehchen gleich eine Pille einzuwerfen, sondern nach der Ursache und nicht dem Symptom zu gucken), Plastik und TV.
Außerdem gehört für mich viel Bewegung dazu, viel frische Luft, Barfußlaufen und Barfuß-Schuhe, Kleidung aus Naturmaterialien etc. dazu.

Auch mit meinem Sohn setze ich z.B. mit Windelfrei auf einen ursprünglichen und natürlichen Umgang und begleite mein “Steinzeitbaby “dabei sich in unserer modernen und schnellen Welt zurecht zu finden. Da fällt mir noch Entschleunigung ein, das ist mir unglaublich wichtig. Einfach mal da zu sitzen (am besten in der Natur) und nichts zu tun. Auch im Umgang mit Mensch generell ist die Rückbesinnung auf das Wesentliche einfach wunderbar.

Welche Vorurteile in Bezug zur Paleo Diät nerven dich am meisten?

Mich stört vor allem das Vorurteil, was auch meins war, dass nur noch Fleisch gegessen wird. Das ist einfach falsch und macht überhaupt nicht den Gedanke von Paleo aus, da es hier einfach um viel mehr, als nur eine Lebensmittelauswahl geht.

Welchen Rat würdest du einem Paleo-Beginner mit deiner Erfahrung heute geben?

Ich hatte die Schwierigkeiten am Anfang, weil ich nur eine halbe Sache gemacht habe. Ich würde empfehlen es direkt ganz zu machen, ganz radikal. Die Veränderung, die man dann spürt, sollte Motivation genug sein, weiter dabei zu bleiben und man kommt nicht in die Versuchung sich immer mehr Ausnahmen zu gönnen und dann im Prinzip doch wieder die alte Ernährung zu machen. So wurde aus meinen anfänglichen Cheat-Day pro Woche immer mehr und dann merkte ich, dass ich quasi doch wieder alles essen und habe einen radikalen Cut gemacht. Jetzt will ich keine Ausnahmen mehr und wenn ich doch mal eine mache, dann reicht mir das für Wochen.

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Ich möchte natürlich leben und keine Probleme mehr haben Lebensmittel in sehr guter Qualität zur Verfügung zu haben. Deshalb strebe ich die Selbstversorgung an und träume von einem kleinen Bauernhof mitten im Grünen in der Nähe eines Gewässers, wo ich mich abkühlen kann und frischen Fisch fangen. Ich träume davon frei zu sein und ganz natürlich leben zu können, denn genau das ist es was Paleo für mich ausmacht, naturnah und ursprünglich zu leben. Ohne den Stress und die Hektik der modernen Welt im Einklang mit der Natur und in Gemeinschaft mit anderen Menschen. Ich bin sicher, dass ich bei dieser „Diät“ bleibe, weil es sich richtig anfühlt und nicht wie eine Diät. Es ist kein Verzicht mehr der wehtut, sondern eine ganz bewusste Entscheidung für ein gesundes Leben.

Vitale Grüße
Unterschrift Christian
Christian Kollitsch
Physiotherapeut, Ernährungscoach, Jäger & Sammler
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